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„Wir bauen hier am Reich Gottes“ – Ein Leitspruch auf dem Prüfstand

Was ist unser Auftrag als Kirche? Was ist die Mission Ihrer Gemeinde? Oftmals höre ich die Antwort: „Wir bauen hier am Reich Gottes.“ Das ist in vielen kirchlichen Kreisen ein unhinterfragter Leitspruch. Manchmal hört man ihn explizit, manchmal kommt er einem zwischen den Zeilen entgegen.

Oftmals geht die Argumentation so weiter: Das Reich Gottes schimmert dort auf, wo Gottes Willen geschieht. Deshalb geht es beim „Reich-Gottes-Bauen“ darum, die Welt im Sinne von Gottes Willen zu verändern. So gut es eben möglich ist.

In eher evangelikaler Couleur kann das konkret heißen, möglichst viele Menschen als Jünger zu einem Leben nach biblischen Maßstäben zu bewegen. In einer liberalen Spielart vielleicht, die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Sich als Kirche für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

© Tim Reckmann / pixelio.de

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„Wir bauen hier am Reich Gottes.“ Mir geht dieser Leitspruch seit geraumer Zeit nicht mehr so leicht über die Lippen. Ich bin skeptisch, weil mir hier eine ganz andere inhaltliche Stoßrichtung begegnet als ich sie etwa bei Paulus oder Luther lese: Die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade durch Glauben um Christi willen.

Die wesentliche Botschaft scheint verschoben. Anstelle des Handeln Gottes für mich tritt die Einladung zur Mitarbeit. Auch das Menschenbild ist in jenem Leitspruch viel optimistischer. Ich in weniger ein passiv Empfangender, sondern ein aktiver Mitarbeiter.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, diesen Leitspruch einmal biblisch zu überprüfen. Ich habe mir die knapp 70 Treffer auf bibelserver zum Stichwort „Reich Gottes“ einmal angeschaut. Meine Beobachtungen möchte ich hier gerne vorstellen. Selbstverständlich handelt es sich nicht um eine fertige Analyse. Auch bin ich kein Neutestamentler. Aber vielleicht trägt das Folgende ja dennoch etwas zur Bereicherung des Gespräches bei.

Hier meine Beobachtungen:

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Der nackte, betrunkene Noah und mein Traum von Kirche

Was für eine Vision von Kirche haben Sie? Ich habe meine ganz eigene. Sie hat mit einem betrunkenen, nackten Mann zu tun.

Visionen sind wichtig. Sie sind Zukunftsbilder, die in uns Leidenschaft wecken. Dazu gibt es viele biblische Texte, die uns zum Träumen ermuntern. Sie malen uns vor Augen, wie Kirche sein könnte. Weit vorne im Rennen biblischer Visions-Texte ist sicherlich Apostelgeschichte 2. Die ersten Christen leben gemeinschaftlich zusammen und haben offene Häuser. Sie teilen und beten gemeinsam.

© günther gumhold / pixelio.de

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Viele Gemeinden wollen so leben, wie es in Apostelgeschichte 2 beschrieben wird. Im amerikanischen Kontext gibt es sogar Kirchen, die sich als eine „acts 2“-church bezeichnen.

Natürlich können auch andere biblische Texte zu einem Traum von Kirche inspirieren. Die Aussendungsrede an die Jünger in Lukas 10 zum Beispiel. Das wäre die Vision von einer Gemeinde, die aufbricht, unterwegs ist und zu den Menschen geht.

Mein persönlicher Visions-Text ist jedoch ein anderer. Es ist eine kleine, schräge Episode, die sich in 1. Mose 9 abspielt. Hier heißt es:

Die Söhne Noahs, die aus der Arche gingen, sind diese: Sem, Ham und Jafet. Ham aber ist der Vater Kanaans. Das sind die drei Söhne Noahs; von ihnen kommen her alle Menschen auf Erden. Noah aber, der Ackermann, pflanzte als Erster einen Weinberg. Und da er von dem Wein trank, ward er trunken und lag im Zelt aufgedeckt. Als nun Ham, Kanaans Vater, seines Vaters Blöße sah, sagte er’s seinen beiden Brüdern draußen. Da nahmen Sem und Jafet ein Kleid und legten es auf ihrer beider Schultern und gingen rückwärts hinzu und deckten ihres Vaters Blöße zu; und ihr Angesicht war abgewandt, damit sie ihres Vaters Blöße nicht sähen.

Moment mal. Habe ich mich vielleicht doch im Text geirrt? Nein. Ich denke tatsächlich, dass diese absurde Geschichte viel darüber erzählt, was Kirche sein könnte. Dazu drei Gedanken.

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