In der Predigt Glauben wecken – 4 Dimensionen

Ich predige, um Glauben an Jesus Christus zu wecken. Um dieses Ziel zu erreichen, hilft es vielleicht, einmal den Blick zu weiten. In diesem Beitrag schaue ich in die Führungsliteratur und will mich hier von einem Modell für meine Predigtpraxis inspirieren lassen.

© thepathtraveler / FreeDigitalPhotos.net

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Mein allgemeines Predigtziel sieht etwa so aus: Durch die Predigt vertrauen Menschen Jesus Christus (etwas mehr). Sie vertrauen seinem perfekten Leben mehr als ihrem eigenen. Sie vertrauen seinem Kreuz und Blut, seiner Auferstehung. Sie vertrauen, dass Jesus sie eines Tages „in den Himmelbringt“. Und dass er sie durch dieses Leben bringt.

Dieses Vertrauen schenkt natürlich nur der Heilige Geist. Und der „weht, wo er will“ (Joh 3,8). Aber er tut es eben auch durch die Predigt (Röm 10,17). Von daher dürfen wir als Prediger uns gerne um eine Gestaltung der Predigt bemühen, die Glauben fördern kann.

Wie geht das konkret? Mir kam eine Idee. Ganz ausgereift ist sie noch nicht. Aber vielleicht ist es ja eine spannende Spur!

Das ABCD-Vertrauensmodell

Im Bereich der Führung spielt das Thema „Vertrauen“ eine große Rolle. Damit Führung gelingt, müssen Führungskraft und Mitarbeiter einander vertrauen können. Deshalb wird in diesem Bereich viel geforscht. Wie entsteht Vertrauen? Welche Faktoren lassen sich hier bestimmen?

In diesem Zusammenhang wurde das ABCD-Vertrauensmodell von Blanchard, Olmstead und Lawrence entwickelt. Es sieht grafisch dargestellt so aus:

Das Vertrauensmodell

Vertrauen besteht hier aus vier Dimensionen. Ich muss mich sowohl als a) fähig, b) glaubwürdig, c) verbunden und d) verlässlich erweisen, damit bei einem anderen Menschen Vertrauen mir gegenüber entstehen kann.

Meine Idee: Vielleicht lassen sich diese vier Dimensionen auf die Predigt übertragen. Wir können in der Predigtlehre davon lernen, wie ganz „menschlich“ Vertrauen entsteht.

Wir wollen, dass Menschen Jesus vertrauen. Darum lasst uns ihn in der Predigt als fähig, glaubwürdig, verbunden und verlässlich beschreiben.

Was könnte das konkret bedeuten? Ich versuche einmal die Grafik auf die Predigt zu übertragen.

1) Jesus ist fähig

Jesus ist kompetent. Er hätte heute bestimmt ein beeindruckendes Arbeitszeugnis ausgestellt bekommen. Er kann wirklich alles. Nicht nur über das Wasser laufen. Er kann sogar Sünden vergeben. Darum kann ich ihm vertrauen. Denn ich weiß: „Wenn Jesus mir etwas verspricht, dann hat er auch die Macht, sein Versprechen zu halten.“

Gerade diese erste Dimension lässt sich in der Predigtpraxis nicht vom Thema „Apologetik“ trennen. Denn ich werde Menschen dazu argumentativ begründen müssen, dass Jesus „wahrer Gott“ ist und damit eben auch allmächtig. Denn sonst scheitert Vertrauen zu Jesus schnell an dem Einwand: „Wie soll ein einfacher Mensch, der vor 2000 Jahren gelebt hat, dazu fähig sein, mir heute zu helfen?“

2) Jesus ist glaubwürdig

Jesus ist voller Integrität. Das zeigt besonders die Passionsgeschichte. Auch unter größtem Druck weicht er nicht von der Wahrheit ab. Jesus begegnet Menschen ehrlich. Und er lässt sich diese Ehrlichkeit etwas kosten. Wenn Jesus mir etwas sagt, dann spielt er mir nichts vor. Ich kann ihm vertrauen. Denn ich weiß bei ihm, woran ich bin.

3) Jesus interessiert sich für dich

Jesus hat Gemeinschaft mit Menschen, für die sich sonst kaum einer interessiert. Er sitzt mit Zöllnern und Prostituierten zu Tisch. Er gewinnt selbst den latent egomanischen „reichen Jüngling lieb“. Er fühlt mit den Menschen mit, oftmals zerreißt es ihn innerlich. Er weint mit Maria am Grab ihres toten Bruders.

Wenn ich Jesus so erlebe, dann entsteht Vertrauen. Denn ich weiß: Er interessiert sich wirklich für mich. Übrigens sind nach meiner Beobachtung die meisten Predigten in dieser Vertrauens-Dimension auch am stärksten.

4) Jesus ist verlässlich

Jesus hält, was er verspricht. Wenn Jesus etwas sagt, dann passiert es auch. Darauf kann ich mich verlassen. Wenn Jesus einem Kranken sagt, „Du bist geheilt“, dann ist er es auch. Wenn Jesus ankündigt, sein Leben als Lösegeld für uns zu geben, dann führt er diesen Plan auch durch.

Die Aufgabe der Predigt wäre dann, Jesus als verlässlich zu erweisen. Dazu wird es wohl besonders wichtig sein, dass wir Jesus nicht mit unseren eigenen Worten irgendetwas versprechen lassen, was er nie versprochen hat. Ein eindrückliches Negativ-Beispiel dafür wäre etwa das „Wohlstands-Evangelium“. Man verspricht Menschen von der Kanzel hinab, dass Jesus sie zu mehr Wohlstand führen will. Dann verwundert es mich kaum, wenn jemand Jesus nicht mehr vertrauen kann, weil dieser Wohlstand nie gekommen ist.

Aber es gibt auch subtilere Versprechen, die Jesus nie gegeben hat. Etwa, dass man sein Nähe immer „in seinem Herzen spüren“ würde. Also: Wir sollten Jesus in der Predigt nur das Versprechen lassen, was er auch wirklich versprochen hat.

Soweit mein Versuch die vier Vertrauens-Dimensionen zu übertragen. Vielleicht wäre es auch eine spannende Reflexionsübung, wenn Sie für Ihre eigene Predigtpraxis einmal die vier Dimensionen durchgehen und sich fragen: Welche ist bei mir am meisten ausgeprägt? In welcher Dimension habe ich noch Nachholbedarf?

Frage: Das ist mein Versuch, das ABCD-Modell für die Predigt fruchtbar zu machen. Könnte es auch anders gehen? Oder geht es gar nicht? Vielleicht haben Sie dazu eine Idee. Dann lassen Sie es mich wissen und schreiben Sie einen Kommentar!

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7 responses to “In der Predigt Glauben wecken – 4 Dimensionen”

  1. Thomas Jakob says :

    Den Ansatz von Blanchard u.a. finde ich nicht schlecht. In ähnlicher Form habe ich so etwas schon häufiger gesehen und auch selber durchgearbeitet.
    Ihre Absicht, Ihren Predigthörern damit Jesus näher zu bringen, finde ich lobenswert. Dennoch habe ich ein erhebliches Störgefühl dabei. Hey, Sie können doch Jesus Christus nicht auf eine Stufe stellen mit Millionen mittlerer Manager, deren Vertrauenswürdigkeit anhand solcher Schemata beurteilt wird. Sind wir berechtigt, Jesus auf den Prüfstand zu stellen? Sollen wir Jesus vertrauen, weil er bestimmte Kriterien erfüllt, die irgendwelche Wissenschaftler entwickelt haben?

    Bei Jesus liefen und laufen viele Dinge anders als im Alltragsbetrieb der Macht und Hierarchie. Die Erwartungshaltung seiner Umgebung an einen Messias unterschied sich von dem, was Jesus verkörpert hat. Bei seinem Einzug in Jerusalem hätten die Leute das Vierquadrantenschema wohl in allen Bereichen mit Top-Noten ausgefüllt. Und am Karfreitag wäre es genau so durchkreuzt worden wie die Träume und Vorstellungen seiner Jünger von Judas bis Petrus. Das spätere prägende Ereignis der Begegnung mit dem Auferstandenen spielt sich sowieso in einer anderen Dimension ab.

    • Malte Detje says :

      Vielen Dank für die Rückmeldung. Sicherlich sollen wir Jesus nicht deshalb vertrauen, weil er diese Bedingungen erfüllt, sondern schlicht und einfach, weil er Gott selbst ist. Ob dieses Sollen aber schon das Vertrauen macht, ist eine andere Sache. Die grundsätzliche Frage ist ja, ob das Vertrauen, das wir zu Jesus entwickeln, keinerlei Berührungspunkte zu dem hat, wie Vertrauen zwischen zwei Menschen entsteht. Und auch wenn das Vertrauen zu Jesus eine ganz andere Qualität hat – am Ende muss es auch der heilige Geist schenken – so gibt es, das wäre meine These, doch Gemeinsamkeiten zwischen unserem Vertrauen Jesus gegenüber uns ganz „weltlichem zwsichenmenschlichem“ Vertrauen. Insofern können wir von zweiten auch lernen und es für die Predigt fruchtbar machen. Ob der heilige Geist das dann nutzt, um den seligmachenden Glauben zu schenken, ist eine andere Frage.

  2. schubertcorinna says :

    Ich finde den Ansatz sehr spannend! Mein spontaner Gedanke war aber: Vertrauen entsteht doch eigentlich in der persönlichen Begegnung. Wäre es dann nicht in erster Linie wichtig, dass diejenigen, die von Ihrer Jesus-Beziehung sprechen, dieses Vertrauenskriterien erfüllen? Wenn sie dann wiederum von ihrer Vertrauesbeziehung zu Jesus sprechen, dann könnte das den Hörer zu einer persönlichen Jesus-Begegnung locken. Ich bezweifle ehrlich gesagt nicht, dass apologetische Argumentation zu einer Vertrauensbeziehung führt.

    • schubertcorinna says :

      Ich hab’s ausversehen zu schnell abgeschickt… In dem letzten Satz muss es heißen „Ich bezweifle erhliche gesagt, dass eine apologetische Argumentation zu einer Vertrauensbeziehung führt.“
      Herzliche Grüße!

  3. Malte Detje says :

    Den Mehrwert dieser fremden Perspektive auf das Thema Vertrauen in der Predigt sehe ich vor allem darin, dass Vertrauen etwas komplexes ist, das auch mehreren Dimensionen besteht. Da gibt es natürlich die Beziehungsdimension, aber Vertrauen geht darin nicht auf. Bzw. fehlen andere Dimensionen, hilgt auch eine noch so ausgepägte Beziehungsdimension nichts. Nur ein Beispiel. Gute Freunde von mir würden mir niemals die Reperatur ihres Autos anvertrauen, weil sie wissen: Er KANN es einfach nicht. Die Beziehungsdimension stimmt, aber in dieser Sache halten sie mich nicht für fähig. Und das völlig zurecht. Vielleicht liegt der Sinn dieses Beitrages nur darin, darum zu wissen, dass Vertrauen komplex ist und alle Dimensionen homiletisch stark zu machen sind.

  4. schubertcorinna says :

    ich hatte es jetzt auch primär auf den Prediger, die Predigerin bezogen oder auf andere Menschen, die von ihrem Glauben zeugen. Wenn die Jesus-Beziehung da der Gegenstand ist (entsprechend dem Auto), dann würde Kompetenz bedeuten, dass ich auch Ahnung von dem habe, was ich erzähle, dass ich mich etwa auch in der Bibel auskenne und im Idelfall auch apologetisch argumentieren kann.

    Wenn ich noch einmal grundsätzlich drüber nachdenke, dann ging es mir wohl darum, dass die Vertrauensbeziehung zum Prediger nicht übersprungen werden kann. Wenn ich den Prediger nicht für vertrauenswürdig halte, dann kann er mir noch so überzeugend Jesus als vertrauenswürdig präsentieren. Wenn ich ihm nicht vertraue/glaube, dann wird es schwierig.

    Ist aber auch noch nicht fertig gedacht. Herzlichen Dank auf jeden Fall für die Anregungen!

    • Malte Detje says :

      Danke! Ist bei mir ja auch nicht alles fertig gedacht. 🙂 Und das ist ein guter Punkt, dass das Vertrauensverhältnis zum Prediger nicht übersprungen werden sollte. Dann wäre es noch einmal spannend, dieses genauer zu präzisieren. Für mich wäre es, dass ich als Prediger zu meiner Botschaft passen muss. Wie das aussehen kann, habe ich versucht in diesem Beitrag zu beschreiben (https://maltedetje.wordpress.com/2014/06/10/warum-es-gar-nicht-so-schwer-ist-auch-zu-leben-was-man-predigt/). Es gab analog einmal eine Diskussion zwischen der „Gospel Coalition“ einerseits und „Christ Hold Fast / Liberate“ andererseits, ob dass Beste, was der Prediger seiner Gemeinde zu geben habe, seine Heiligkeit oder nicht vielehr seine Gebrochenheit und Sündhaftigkeit sei.

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