Einen schlechten Tag gehabt? So kann er zum besten Tag Ihres Lebens werden…

Ich gebe zu: es ist ein großes Versprechen. Aber ich gebe es gerne: Der heutige Tag kann zum besten Tag Ihres Lebens werden.

Mit diesem Versprechen bin ich nicht allein. In der einen oder anderen Variation geistert es durch die Selbsthilfeliteratur. Auch aus dem Mund so manchen Motivationsgurus ist es hin und wieder vernehmbar. Es klingt dann in etwa so:

© kongsky / FreeDigitalPhotos.net

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Sie können heute beginnen, ihren Traum zu leben! Sie schaffen das! Füllen Sie Ihren Kopf mit positiven Gedanken! Das wird sie ungemein motivieren. Überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund und beginnen Sie heute! Leben Sie nicht für die Ziele anderer Menschen, sondern leben Sie ihren eigenen Traum.

Leben Sie ihre Vision!

Diese Form der „Motivation“ gibt es auch in einer christlich verbrämten Variante. Allerdings sollte man „christlich“ dabei lieber in Anführungsstriche setzen. Das könnte sich vielleicht so anhören:

Gott liebt Sie. Er ist für Sie. Und darum hat er auch viel mit Ihrem Leben vor. Wenn er an Sie denkt, dann sieht er Großes. Er will, dass Ihr Leben zu einem Abenteuer wird. Er hat einen (jetzt möge man sich eine gefühlvoll behauchte Stimme denken) Plan. Ihre Aufgabe besteht lediglich darin, die Vision zu entdecken, die Gott in Ihr Herz gelegt hat. Entdecken Sie die Vision! Dann Setzen sie die Vision um! Gott sieht in Ihnen so viel Potential. Darum will er auch nicht, dass Sie sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden geben. Geben Sie sich Gottes Plan hin und lassen Sie ihr Leben ab heute besonders werden.

So in etwa lautet die geistliche Strategie für ein glückliches Leben. Wer etwas Disziplin aufbringt und sich „wirklich der Gnade Gottes öffnet“, der kann seinen Traum leben. Der Mega-Church-Pastor schafft das ja schließlich auch.

Auf dem Boden der Realität

Ich mache jedoch eine andere Erfahrung. Meine Tage verlaufen in der Regel ziemlich mittelmäßig. Ich bin fast versucht zu sagen: langweilig. Und das sind noch nicht einmal die schlechten Tage.

Denn es gibt auch noch die anderen, die dunkleren Tage. Da, wo mir nicht wirklich etwas gelingen will. Die To-do Liste ist am Abend etwas länger als am Morgen. Dieser eine Anruf hat mich ganz aus der Fassung gebracht und in dieser einen Angelegenheit muss ich wieder ganz von vorn beginnen. Ach, es war einfach ein Tag zum vergessen. Jeder könnte da sicherlich seine eigenen Geschichten erzählen.

Solche Tage gibt es nicht immer, sie kommen jedoch vor. Da fällt man abends ins Bett und fragt sich, was man heute eigentlich Sinnvolles gemacht hat. Wäre man doch gar nicht erst aufgestanden.

Wenn Gott zufrieden ist, darf ich es auch sein

Als Christen glauben wir, dass unsere Identität ganz in dem besteht, was Jesus für uns getan hat. Ich bin nicht, was ich oder andere über mich denken, sondern was Gott über mich denkt. Am Kreuz hat Jesus mit mir den Platz getauscht. Alles was Jesus gehört, gehört nun mir. Alles was Jesus getan hat, ist nun so, als ob ich es getan hätte.

Durch die Taufe ist mein Leben nun mit Jesus Christus verbunden. Wenn Gott mich ansieht, sieht er Jesus. Mein „Leben ist verborgen mit Christus in Gott“ (Kol 3,3b). Soweit die Theorie. Was heißt das aber praktisch, wenn mein Tag heute zum vergessen war?

Es heißt, dass Gott meinen Tag heute so ansieht, als ob er ein Tag aus dem Leben Jesu wäre. Und was er dort sieht, das liest sich ganz beeindruckend:

Einem Blinden habe ich das Augenlicht zurückgegeben. Ich habe zwei verfeindete Menschen ausgesöhnt. Ich habe eine Menschenmasse satt gemacht. Ich habe eine Predigt für die Geschichtsbücher gehalten. Ich bin unter massiven Anfeindungen ruhig geblieben. Aus meinem Mund kam stets geballte Weisheit. Unter meinem Einfluss haben Menschen ihr Leben umgekrempelt. Zwischendurch habe ich ein paar Dämonen ausgetrieben und ein paar am Boden Zerstörten neue Hoffnung gegeben. Ach ja, ich vergaß es fast: Ich bin zwischendurch noch kurz über das Wasser gelaufen.

Ich finde das klingt nach einem ziemlich guten Tag, oder?

Natürlich löst diese „gedankliche Wendung“ nicht alle Probleme. Das ist mir bewusst. Aber dennoch soll ich wissen, wie Gott über meinen heutigen Tag denkt. Er sieht da das Leben Jesu. So zählt am Ende mehr, was Gott über meinen Tag denkt, als was ich über diesen Tag denke. Und wenn Gott mit diesem Tag zufrieden war, dann darf ich es auch sein.

Wer so einen perfekten Tag hatte, der – so finde ich jedenfalls – darf auch ruhig schlafen.

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