Heute bekenne ich: „Die Auferstehung Jesu muss metaphorisch verstanden werden.“

Seit der Aufklärung fällt es Menschen immer wieder schwer, dieses Wunder zu begreifen, das da am Ostermorgen geschehen sein soll. Ein mausetoter Mensch soll wieder ins Leben zurückgekehrt sein und das Grab war tatsächlich leer? Das können viele nicht (mehr) glauben. Deshalb sind in den letzten Jahrhunderten so manche Alternativerklärungen auf dem Markt der Möglichkeiten angeboten worden.

© Serge Bertasius Photography / FreeDigitalPhotos.net

© Serge Bertasius Photography / FreeDigitalPhotos.net

Reimarus wollte doch lieber glauben, die Jünger hätten heimlich den Leichnam Jesu gestohlen. Strauß ging im Großen und Ganzen davon aus, bei der Auferstehung habe es sich eher um Visionen der Jünger gehandelt. Bultmann war die Historizität der Auferstehung dann ganz egal. Wichtig sei nur, „dass Jesus in die Verkündigung hinein auferstanden sei.“ Jesus lebt in unserer Predigt weiter.

Auch ich muss inzwischen bekennen: „Die Auferstehung Jesu muss metaphorisch verstanden werden.“ Daran führt kein Weg vorbei! Aber warum? Was hat bei mir diesen Sinneswandel ausgelöst?

Pannenberg: Auferstehung ist Metapher!

Auslöser war ein Satz, auf den ich in Pannenbergs „Systematischer Theologie“ gestoßen bin. Er schreibt:

Die Sprachform der Rede von der Auferstehung Jesu ist die der Metapher.

Was meint Pannenberg damit? Die ersten Christen haben davon geredet, dass Jesus aufgestanden ist. Das meinten sie aber keinesfalls wörtlich. Im Alltagsbrauch würde dies nämlich bedeuten, dass Jesus nach einem langen und erholsamen Schlaf aufgestanden wäre. So wie wir alle es jeden Morgen tun.

Jesus ist aber nicht einfach nur aufgestanden. Er war wirklich tot und ist nun wieder lebendig! Aber dafür musste man trotzdem irgendwie Worte finden. Also redeten die ersten Christen vom „Aufstehen“, meinten das aber metaphorisch, verwandelten also die Bedeutung des Begriffes.

„Nun gut“, mag einer einwenden, „aber es gibt doch wohl einen Unterschied zwischen aufstehen und auf-er-stehen, oder etwa nicht?“ Naja, ließe sich entgegnen, diese sprachliche Unterscheidung ist im Deutschen eher künstlich und es gibt sie im Griechischen so nicht: Jesus ist aufgestanden.

Deswegen will ich das „Aufstehen Jesu“ metaphorisch versehen. Gerade weil ich nicht „wörtlich“ aussagen möchte, dass Jesus nur ein etwas längeres Nickerchen gemacht hat. Ich meine das metaphorisch: Er war mausetot, war dann in der Hölle und ist am dritten Tag wieder auferstanden. Er war körperlich tot und ist wieder lebendig geworden.

Okay, okay, die Überschrift war leicht irreführend und manche meiner Freunde hatten womöglich schon sorgen, ob ich nicht den Glauben verloren haben würde. Keine Angst! Sachlich bleibt die Überschrift aber richtig.

Soll ich die Bibel wörtlich oder symbolisch verstehen?

Alles also nur ein Spiel mit Sprache? Ich glaube, es geht um mehr. Denn ich habe es schon oft erlebt, dass zwei konträre Bibelverständnisse aufeinanderprallen. Das eine wird dann vorschnell ein „wörtliches Bibelverständnis“ genannt, das andere im Gegensatz ein „symbolisches Bibelverständnis.“

Mir ging es darum deutlich zu machen: Diese Etikettierungen helfen wenig weiter. Denn ironischerweise habe ich mich ja als Vertreter eines „wörtlichen Bibelverständnis“ in der Frage des Ostermorgens einem „metaphorischen Verständnis“ bedient.

„Wörtlich“ oder „symbolisch“? Wenn ich ehrlich bin, dann ist mir bisher noch kein Mensch untergekommen, der die Bibel nicht irgendwie auch „symbolisch“ liest und ebenso keiner, der nicht doch manches auch „wörtlich“ versteht.

Jeder liest die Bibel symbolisch

Schauen wir uns Psalm 23 an. Konservative und Liberale Exegeten mögen sich vielleicht darüber streiten, ob dieser Psalm von König David geschrieben wurde oder nicht. Aber mir ist kein noch so großer Fundamentalist untergekommen, der den Satz „Der Herr ist mein Hirte“ so wörtlich genommen hätte, um sich zu der Behauptung hinreißen zu lassen, der Psalm sei womöglich doch von einem Schaf geschrieben worden.

Die wenigsten Fundamentalisten lesen Hesekiel 2 so „wörtlich“, dass sie sich erst einmal etwas Papier aus dem Arbeitszimmer zu einem kleinen Snack bereiten. Sie wissen eben, dass es sich um einen Auftrag für Hesekiel handelte, der so „wörtlich“ nicht für sie gilt.

Auch essen die meisten Fundamentalisten gerne mal ein saftiges Schweine-Nackenstaeck, obwohl es Bibelstellen gibt, die das verbieten. Man mag ihnen mit ihrem „wörtlichen Bibelverständnis“ dann Bigotterie und eine „pick and choose“-Mentalität unterstellen. Das ist aber sachlich nur in seltenen Fällen fair. Meistens steht dahinter eine gut durchdachte Hermeneutik. Die muss man nicht teilen, aber wohl überlegt ist sie in der Regel.

Jeder liest die Bibel wörtlich

Genauso lesen auch die hartgesottensten Liberalen viele Bibelstellen „wörtlich“. Wenn Paulus etwa in 1Kor 16,8 schreibt „Ich werde aber in Ephesus bleiben bis Pfingsten“, dann ist mir noch kaum einer untergekommen, der darüber ausspricht: „Das musst Du symbolisch, aber bitte nicht wörtlich lesen!“ Paulus meinte sicherlich kein „symbolisches Ephesus“ und auch kein „Pfingsten, das in unseren Herzen wohnt.“

Also: Man kommt gar nicht darum, die Bibel symbolisch zu lesen und sie auch irgendwie wörtlich zu nehmen. Deswegen ärgern mich auch so polemische Sätze, wie: „Entweder man nimmt die Bibel wörtlich oder man nimmt sie Ernst.“

Die Etikettierungen „wörtlich“ versus „symbolisch“ helfen also nicht weiter. Dennoch ist der hinter ihnen stehende sachliche Unterschied durchaus vorhanden. Und hierum soll auch weiter gerungen werden. Aber bitte ohne solch irreführende Etikettierungen.

Ob „wörtlich“ oder „symbolisch“, am Ende sind sich doch die meisten einig: „Wir wollen die Bibel so verstehen, wie sie gemeint ist.“ Wie ist nun aber diese und jene Aussage der Heiligen Schrift gemeint? Darüber lasst uns gerne weiter trefflich streiten.

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

4 responses to “Heute bekenne ich: „Die Auferstehung Jesu muss metaphorisch verstanden werden.“”

  1. EVA Reichardt says :

    Jesus lebt und wir sollen auch leben. Du hast mir einen richtigen Schrecken eingejagt. Theologie ist wirklich sehr kompliziert. Ich glaube einfach was die Bibel sagt: Wer Jesus hat, der hat das Leben. Das ewige Leben.

  2. frauvorsatz says :

    Das ist der erste Artikel, den ich hier auf deinem Blog gelesen habe.
    Danke, dass du diese, sich scheinbar grundsätzlich ausschließenden Gegensätze von „wörtlich“ und „symbolisch“, so wunderbar aufgedröselt und dann auf den Punkt gebracht hast.
    Ich finde das ist ein guter, irgendwie „ehrlicher“ Ausgangspunkt, um sich mit der Bedeutung unterschiedlicher Bibelstellen (für sich und überhaupt) auseinandersetzen zu können.

  3. Thomas Jakob says :

    Danke für diesen Beitrag! Das Thema Auferstehung wird mich auch auf Dauer nicht loslassen. Eine leibliche Auferstehung ist mit meinem naturwissenschaftlichen Weltbild nicht vereinbar. Als persönliche Arbeitshypothese nehme ich die Bultmann-Variante, bin mir aber darüber im Klaren, dass das Christentum längst verschwunden wäre, wenn es sich darauf beschränkt hätte, diese nüchterne Version zu predigen. Die leise Hoffnung, dass sich hinter den Berichten über die Begegnung mit dem Auferstandenen doch noch etwas anderes verbirgt, habe ich trotzdem.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: