Was gilt es bei der Einführung eines neuen Gottesdienstformates zu beachten?

Sie beschleicht seit geraumer Zeit das Gefühl, dass Ihre Gemeinde eine Gottesdienstreform vertragen könnte. Aber sie ahnen auch, dass Sie hier behutsam vorgehen müssen, da sie ein heikles Thema in die Hand nehmen. Was also tun? In diesem Beitrag stelle ich zwei grundlegende Prinzipien vor, die womöglich helfen können.

© tiramisustudio / FreeDigitalPhotos.net

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Wer an einem neuen Gottesdienstformat tüftelt, der brütet vor einer komplexen Aufgabe. Die Aufgabe ist ja auch deshalb komplex, weil sich so vieles nicht im Vorfeld voraussagen lässt:

  • Wie wird die Gemeinde das neue Format annehmen?
  • Was gilt es bei der Durchführung alles zu bedenken?
  • Welche Interessen gilt es zu berücksichtigen?
  • Welche Schwierigkeiten könnten auftauchen?
  • Es gibt so viele Möglichkeiten, Gottesdienst zu feiern. Für welche sollen wir uns entscheiden?

Wenn man zu sich selbst ehrlich ist, dann wird man keine dieser Fragen im Vorfeld zu 100% beantworten können. Und womöglich sind es noch nicht einmal die richtigen, also wirklich entscheidenden Fragen, die man sich dabei stellt.

In den Führungswissenschaften wäre hier von einer komplexen Situation die Rede. Komplexität liegt immer dann vor, wenn man die Antwort auf eine Frage noch nicht genau weiß und sich nicht einmal sicher ist, ob man überhaupt die richtige Frage stellt.

1. Mehr Experiment und weniger Planung

In solch komplexen Situation wie unserer Gottesdienstfrage gilt ein wichtiger Grundsatz: Arbeiten Sie mit Prototypen, anstelle von einer perfekten Planung von Anfang bis Ende. Experiment statt perfekter Planung. Deshalb muss ich nun mit Prototypen arbeiten, um für mich wichtige Informationen zu bekommen, die mir dann später als Entscheidungsgrundlage dienen können. Ich darf nicht in dem verharren, was Claus-Otto-Scharmer die „Analyse-Paralyse“ nennt.

Es geht darum mit vergleichsweise wenig Energie und Arbeitsaufwand an die nötigen Daten und Erfahrungen zu kommen, anstatt Stunden um Stunden in Planungen zu investieren, die zwar gut gemeint sind, aber doch an der Realität vorbei gehen.

Was heißt das nun konkret? Anstatt an meinem Schreibtisch ein neues Gottesdienstkonzept im Detail fertig zu konzipieren, arbeite ich mit Prototypen. Warum nicht einmal vier verschiedene Gottesdienstkonzepte an vier verschiedenen Sonntagen ausprobieren. Hinterher bin ich deutlich klüger.

Aber zugegeben: Die Arbeit mit solchen Prototypen ist nur dort sinnvoll, wo sie hinterher auch reflektiert werden, wenn aus ihnen gelernt wird. Sonst landet man in dem, was Scharmer die „Aktion ohne Reflexion“ nennt, dem Gegenstück zur „Analyseparalyse“.

Eine praktische Methode dafür wäre ein sogenanntes „After Action Review“. Ich stelle mir hierbei drei Fragen:

  1. Was ist passiert?
  2. Was hatten wir erwartet?
  3. Was können wir aus der Differenz von 1 und 2 lernen?

Wir kommen also nach einem Prototyp-Gottesdienst mit der Projektgruppe „Neues Gottesdienstformat“ oder mit anderen interessierten Gemeindegliedern zusammen und stellen uns diese drei Fragen.

  1. Was ist in diesem Gottesdienst passiert?
  2. Was hatten wir im Vorfeld von diesem Gottesdienst erwartet?
  3. Was können wir aus dem Unterschied von Frage 1 und Frage 2 lernen?

Auf einen wichtigen Aspekt weißt Carl Otto Scharmer noch hin: Es gilt Prototypen von Pilotprojekten zu unterscheiden. Prototypen dürfen und sollen scheitern. Aus ihnen soll ja gelernt werden. Bei Pilotprojekten ist es anders. Nach manchen gelungenen und gescheiterten Prototypen gilt es jetzt mit einem Pilotprojekt das Gelernte in den Alltag zu implementieren. Wird das neue Gottesdienstformat nun regelmäßig etabliert, dann sollte der „Pilot“ dazu möglichst nicht in die Hose gehen.

2. Es kommt auf den richtigen Mix im Projektteam an

Wenn man komplexe Herausforderungen bewältigen möchte, dann ist es wichtig, dass verschiedenste Sichtweisen zusammenkommen. So kann die Aufgabe umfassender, von verschiedenen Seiten her wahrgenommen werden. Es braucht also den richtigen Mix im Projektteam. Scharmer schlägt vor, dass in einem Innovations-Team 5 verschiedene „Typen“ zusammenkommen:

  1. Für das Ergebnis verantwortliche Personen,
  2. Menschen, die mit dem Problem täglich umgehen müssen,
  3. weitere betroffene Akteure, die aber in der Regel kein Mitspracherecht haben,
  4. Kreative Outsider, die neue Perspektiven einbringen und
  5. Aktivisten, denen das Projekt am Herzen liegt.

Versuchen wir das einmal für eine „Projektgruppe – Neues Gottesdienstformat“ zu übertragen. Vielleicht könnte das Experimentierteam dann so aussehen:

Dabei ist der Pastor, eine Lektorin, eine Frau aus dem Ort, welche die sonntäglichen Gottesdienste so gut wie nie besucht, eine Person aus einer Nachbargemeinde, die vor drei Jahren durch einen ähnlichen Prozess gegangen ist, sowie ein engagiertes Gemeindeglied, dem das Thema „Gottesdienstreform“ schon lange auf dem Herzen liegt. Das könnte eine wirklich interessante Mischung ergeben.

Sicherlich gilt es noch viel mehr zu bedenken, wenn man an einem neuen Gottesdienstformat bastelt. Hoffentlich sind Ihnen diese Anregungen trotzdem eine Hilfe. Vielleicht haben Sie ja selbst schon eigene hilfreiche Erfahrungen gemacht.

Frage: Worauf kommt es Ihrer Erfahrung nach bei der Arbeit an neuen Gottesdienstformaten an? Hinterlassen Sie gerne eine Antwort in Form eines Kommentars!

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