7 Dinge, die ich von Otto Waalkes über das Predigen gelernt habe

In seinem „Wort zum Montag“ parodierte Otto Waalkes nicht nur das „Wort zum Sonntag“, sondern auch ein gutes Stück weit verbreiteter homiletischer Realität. Zwar ist dieses kleine Stück Satire inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen, in gewisser Hinsicht hat es dennoch einen zeitlosen Charakter. Hier das kurze Video:

So manch einer wird ein gutes Stück sonntäglicher Realität wiedererkennen. Das ist sicherlich kein Zufall, denn Ottos Eltern waren Baptisten und Waalkes brachte, wenn man dem Internet Glauben schenken darf, wohl einige Stunden seiner Kindheit in der Kirche zu.

Eine solche Parodie ist sicherlich kein Anlass, einer allgemeinen Predigtschelte zu verfallen und alles schlechtzureden, was so auf Kanzeln passiert. Denn immerhin verdient es Kirche hier parodiert zu werden. Dennoch lässt sich an diesem „homiletischen Negativbeispiel“ sicherlich etwas lernen. Besonders aufschlussreich sind jene Stellen, wo die Zuschauer lachen. Ist hier womöglich der Realitätsbezug am größten?

Vieles ließe sich hier ausmachen. Ich habe für mich die folgenden sieben Beobachtungen mitgenommen:

1. Vermeide plumpe Vereinnahmungen! Mir ist aufgefallen, dass sich dieses Motiv durch die ganze Parodie zieht: „Wir alle haben unsere Sorgen und Nöte.“, „Ist es nicht jener Theo, der in uns allen steckt?“, „Oder sind es vier alle?“. Mit diesen Vereinnahmungen soll etwas relevant gemacht werden, was offensichtlich in keinster Art und Weise wirklich relevant ist.

2. Stehe mit beiden Beinen im Leben! Ich musste schon sehr lachen über die abstruse Geschichte des Millionärs mit seinem Rasierpinsel. Beispielhaft steht sie für eine Leidenserfahrung. Womöglich ist diese Anekdote auch deshalb so komisch, weil sie subtil impliziert: Manche Predigten wissen eben nicht, was echtes Leid ist. Sie stehen nicht mit beiden Beinen im Leben.

3. Achte auf einen stimmigen Gedankengang! Die Geschichte des Millionärs leitet Otto mit dem Satz ein „Da fällt mir in diesem Zusammenhang eine Geschichte ein.“ Der Satz ist deshalb so lustig, weil es streng genommen überhaupt keinen Zusammenhang gibt. Es ist einfach eine plumpe Überleitung. Für mich nehme ich ebenfalls mit: Weniger ist manchmal mehr. Wenn eine Geschichte am Ende der Predigtvorbereitung nicht mehr passt, darf ich sie gerne weglassen, statt sie krampfhaft einzubauen.

4. Vermeide das schlechte Spiel mit Sprache! „Theologie, Theodorant, TheoderKaffee“ – Ich bin grundsätzlich nicht gegen Kunst auf der Kanzel, aber Otto erinnert mich: Manchmal ist gar keine Kunst besser als schlecht gemachte Kunst.

5. Vermeide unkonkretes Phrasengedresche! Für mich ist die Parodie auch deshalb so komisch, weil sich in ihr manch typisch kirchliche Phrasen wiederfinden, die sich weigern, konkret zu werden. Das geht los mit den „Sorgen und Nöten“ am Anfang und endet mit dem phrasenhaften Ende: „Und sollte nicht auch einer von uns? Oder morgen? Oder vielleicht nicht? Wer weiß!“

6. Vermeide billigen Trost! „Es gibt Menschen, die sind viel schlechter dran als Du, die haben noch nicht einmal einen Bart.“ Tja, was solle man dazu noch sagen? 😉

7. Bringe die Bibel nachvollziehbar ins Spiel! Was Otto an dem Lied „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ durchspielt, steht ja exemplarisch für so manchen homiletischen Umgang mit Bibeltexten. Wir bekommen hier vor Augen geführt, wie das manchmal auf Zuhörer wirken kann: Prediger hängen sich an Kleinigkeiten auf und interpretieren sie völlig über, wie es Otto an „Theo“ und „Wir/Vier“ durchexerziert. Dabei hat diese Textzeile mit dem Leben eigentlich nichts zu tun. –bereits zu Beginn fragt Otto: „Nun, was wollen uns diese Worte sagen?“ Die Zuschauer lachen. Denn sie kennen die eigentliche Antwort auf die Frage: „Nichts!“

Frage: Was kann ich tun, damit all das dennoch gelingt, was Otto hier parodiert? Was lernst Du anhand dieses kleinen Stücks Satire?

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2 responses to “7 Dinge, die ich von Otto Waalkes über das Predigen gelernt habe”

  1. Daniel says :

    Super!

    Mir ist eben noch ein achter Punkt gekommen: Lies normal, wenn du aus der Bibel vorliest … So manche pastorale Klangfarbe finde ich noch verstörender als Ottos Theo-Geblöke …

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