7 Einsichten aus 17 Monaten Bloggen – Was es mir „gebracht“ hat

Knapp 1,5 Jahre bin ich inzwischen am bloggen. Da ist es doch mal Zeit für ein kleines Fazit, oder? In diesem Beitrag stelle ich meine 7 wichtigsten Erkenntnisse vor. Womöglich können andere etwas davon mitnehmen. Und vielleicht könnte es Dich sogar überzeugen, auch unter die Blogger zu gehen.

© Alexander Klaus / pixelio.de

© Alexander Klaus / pixelio.de

In der Regel ist einmal die Woche ein neuer Beitrag auf diesem Blog erschienen. Wenn ich ehrlich sein soll, dann war das nicht immer einfach. Nicht immer hatte ich die Zeit und den Kopf dafür, Inhalte zu produzieren, die für andere Menschen wirklich einen Mehrwert schaffen. Insgesamt bin ich mit dem „Experiment Blog“ aber zufrieden, auch wenn ich überlege in nächster Zeit ein paar Veränderungen durchzuführen und neue Wege zu gehen.

Wenn ich die bisherige Zeit einmal vor meinem inneren Auge vorbeiziehen lasse, dann habe ich für mich die folgenden 7 Dinge entdeckt:

1) Ein Blog ist eine wunderbare Möglichkeit zum Reflektieren. In mancherlei Hinsicht hat mein Blog fast schon einen Tagebuchcharakter. In jedem Fall hilft er mir sehr, meine eigenen Gedanken festzuhalten und zu ordnen.

2) Ich bekomme durch einen Blog schnell Feedback zu meinen Gedanken. Das ist für mich das Geniale! Blogbeiträge sind nicht wie wissenschaftliche Aufsätze. Ich darf auch einmal halbfertige Gedanken präsentieren und bekomme so schon in einem frühen Stadium Rückmeldung: sei es in der Kommentarfunktion, über Twitter oder Facebook. Das hilft mir sehr meine Gedanken zu entwickeln und anzupassen.

3) Durch einen Blog übe ich Schreiben. Das klingt vielleicht recht trivial, ist für mich aber enorm wichtig. Als Pastor werde ich später viel schreiben müssen. Bloggen ist dafür ein gutes Übungsfeld. Meine Blogartikel haben oftmals ca. 750 Wörter. Das ist fast schon eine halbe Predigt. Da ist der Sprung zum wöchentlichen Predigtschreiben umso kleiner.

4) Das regelmäßige Schreiben hat unerwartet positive Nebeneffekte. Ich habe mir vorgenommen, einmal die Woche einen neuen Beitrag zu verfassen. Das wird bei mir später mit der Sonntagspredigt ähnlich sein. Ich muss regelmäßig abliefern. Für einen tendenziell perfektionistisch veranlagten Menschen wie mich ist das eine gute Übung, um auch mit weniger Qualität zufrieden sein zu können. Schreiben verschiebt sich von der Eingebung hin zum Handwerk. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Man sieht im Alltag überall „neue Blogbeiträge“. Bei mir führt das dazu, dass ich mir selbst verstärkt Input hohle, um neue Themen zum Schreiben zu haben. Ich lese zum Beispiel aufmerksamer.

5) Mit einem Blog kann ich anderen Menschen helfen, ohne mich aufzudrängen. Wenn ich für mich eine hilfreiche Entdeckung mache oder etwas Spannendes gelesen oder gehört habe, dann blogge ich darüber. Oftmals hilft das dann anderen Menschen weiter. In den letzten Monaten bekam ich immer wieder einmal Rückmeldung darüber, wie ein bestimmter Beitrag einer Person weitergeholfen hat. Das kommt zwar nicht oft vor, aber immer mal wieder. Extrem motivierend!

6) Ich baue mir über einen Blog eine Art „sozial Profil“ auf. Das ist zwar nicht meine Hauptmotivation, aber ein schöner Nebeneffekt. Leute können online einen Eindruck davon gewinnen, wer ich so bin und wofür ich stehe. Bei Anfragen zu Workshops oder Vorträgen haben andere schon einmal eine Idee davon, zu welchen Themen ich etwas zu sagen haben könnte.

7) Bloggen braucht eine für Theologen etwas ungewohnte neue Kultur. Kann man Theologie im Blog-Format betreiben? Ich denke das geht und bietet viele Chancen! Man darf dann aber nicht den Fehler begehen und unbewusst die Maßstäbe von wissenschaftlichen Aufsätzen an Blogbeiträge anlegen. Dann vergleicht man Äpfel mit Birnen. Im Gegensatz zu Aufsätzen sind Blogbeiträge eher so etwas wie Testballons. Ich probiere einen Gedanken aus und warte auf Feedback. Deshalb kann ich hier womöglich viel einseitiger schreiben. Außerdem hat ein Blog-Post auch gar nicht den Platz für die „Absicherungs-(Un)Kultur“ der Theologen mit all ihrem „In der Regel“, „Meist“, „Ungeachtet von…“, usw.

Unter dem Strich sind das für mich gute Gründe, dieses Projekt weiter fortzusetzen. Mich würde interessieren: Aus welchen Gründen bloggt ihr? Was sind eure Erkenntnisse? Oder: Was hält euch vom Bloggen ab? Habt Ihr vielleicht Verbesserungsvorschläge für diesen Blog? Ich freue mich, von euch zu lesen.

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5 responses to “7 Einsichten aus 17 Monaten Bloggen – Was es mir „gebracht“ hat”

  1. preachitbaby says :

    Interessanter Artikel! Der letzte Punkt ist gut, hätte das so nicht benennen können, aber bin schon oft drüber gestolpert. Diese „Absicherungskultur“ hemmt mich manchmal im Schreiben und/oder ich muss mich bewusst davon distanzieren und mich für den „Testballon“ entscheiden.

  2. Marcus says :

    Für mich ist er erste Grund tatsächlich der Entscheidende. Wenn ich heute Artikel lese, die ich vor 2 Jahren geschrieben habe, dann wundere ich mich manchmal. Gleichzeitig kann ich im nachhinein entdecken, wo sich bestimmte Formulierungen in meinem Denken eingeschlichen haben, die ich bis heute benutze. Auch das ein Prozess.
    Es ist eben auch eine Art Tagebuch, und auch Spiritualität ist, denke ich, kein festes Gebilde, sondern eine Entwicklung mit festgesetzten Grenzsteinen an den Rändern des Weges 🙂
    Danke für die Reflektion! Habe mich in vielem wiedergefunden 🙂

  3. Ruth says :

    Was bringt mir das Bloggen? Ich halte Gedanken fest, die sonst untergegangen wären. Ich kann nachvollziehen, was mich wann beschäftigt hat. Das ist der Tagebuch-Charakter.
    Es macht mich sorgfältig beim Denken und Schreiben, weil ich weiß, dass das Netz nichts vergisst. Es wird mir noch mehr bewusst, dass ich Verantwortung trage für meine Worte. Man kann mich drauf festnageln.
    Es hilft mir, meinen Stil zu finden. Damit meine ich sowohl den Schreibstil als auch das, was meine ureigene und unverwechselbare Art, meinen Glauben zu leben, ausmacht.
    Es ist für mich eine Möglichkeit, öffentlich zu bekennnen, was und wem ich glaube. Und dein 5. Punkt ist dabei für mich auch ganz wichtig!
    Was mich abhält? Oft der Alltag, der andere Prioritäten in den Weg schiebt, oft aber auch, dass ein Thema noch nicht geburtsreif ist ist und ich noch ein Weilchen damit schwanger gehen muss.

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