Wie das Evangelium unsere Art verändert, eine Gemeinde zu leiten

Wer in einer Kirchengemeinde Leitungsverantwortung übernimmt, der stellt sich vielleicht Fragen wie diese: „Leitet man in Kirche eigentlich anders?“ oder „Macht es für Menschenführung eigentlich einen Unterschied, dass ich Christ bin?“ Wir versuchen in diesem Beitrag 5 Konsequenzen zu benennen, die der christliche Glaube für Leitungsverantwortliche nach sich zieht. In der Kirche oder am Arbeitsplatz.

© Master isolated images / FreeDigitalPhotos.net

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„Wie soll ich eine Gemeinde leiten?“ Das ist streng genommen eine ethische Frage, denn sie beschäftigt sich mit dem „Sollen“. Evangelische Ethik steht meiner Auffassung nach nun unter dem Leitmotto: „Wie Gott mir, so ich Dir“. Das heißt, es geht weniger darum, Vorschriften und Regeln zu befolgen, sondern die Konsequenzen des Evangeliums für verschiedenste Lebensfragen durchzubuchstabieren. So auch für das Thema Gemeindeleitung.

Das klingt ja in der Theorie alles schön und gut, aber was bedeutet das praktisch? Ich bin in diesem Zusammenhang auf ein interessantes Video von Tim Keller gestoßen. Er spricht hier über eine „praktische Theologie der Evangelisation“ (Minuten: 9:32-22:05) und versucht darzustellen, wie das Evangelium einen Unterschied macht, wenn wir mit anderen Menschen über unseren Glauben sprechen.

Vielleicht ließen sich Kellers Argumente ja übertragen? Wie sähe dann eine „praktische Theologie der Gemeindeleitung“ aus? Die folgenden 5 Aspekte können exemplarisch dafür stehen, wie die Dynamik von Gesetz und Evangelium die Art und Weise verändert, wie wir in Kirche und Gemeinde leiten.

1) Das Gesetz nimmt mir als Leiter in der Gemeinde den Stolz. Wie oft gibt es nicht Momente, in denen ich mich über andere Menschen aufrege? Ein Gemeindesekretär macht zum dritten Mal in Folge den gleichen, unnötigen Kopierfehler. Eine Mitarbeiterin vergisst für eine wichtige Veranstaltung entsprechend einzuladen. Es kommen nur wenige Leute und ich hatte mich doch so gut vorbereitet! In Wut denke ich: „Wie ist XY, wie ist dieses Team wieder blöd und inkompetent! Nichts bekommt sie auf die Reihe!“

Das Gesetz sagt mir, dass ich ganz und gar Sünder bin und mir mein Heil nicht verdienen kann. Vor Gott stehe ich als ein inkompetenter Mensch dar. Diesen Gedanken zu meditieren, setzt in mir einen Respekt gegenüber den Menschen frei, für die ich Leitungsverantwortung übernehme, selbst wenn sie mir oftmals inkompetent erscheinen.

2) Das Evangelium nimmt mir als Leiter in der Gemeinde die Angst. Als Leitende treffen wir Entscheidungen. Weitreichende Entscheidungen trifft man nie leichtfertig, aber manchmal weicht man ihnen aus, weil man Angst hat. So werden unausweichliche Entscheidungen und unumgängliche Konflikte lieber vermieden, wie etwa der Verkauf von Gebäuden oder Veränderungen im Personalbereich. Ich gehe all dem aus dem Weg, um mich nicht zum „Buhmann“ zu machen. Ich will nicht vor anderen schlecht dastehen.

Das Evangelium sagt mir, dass mein Selbstwert und meine Identität aber vollständig in dem bestehen, was Christus für mich getan hat. Ich bin nicht „Buhmann“, sondern Kind Gottes. Diese Identität kann keine Krise in der Gemeinde bedrohen. Diesen Schatz kann ich nicht verlieren. Darum kann ich auch mutig vorangehen.

3) Gesetz und Evangelium schenken mir als Leiter in der Gemeinde Hoffnung. Manchmal stehen Leitungsverantwortliche vor hoffnungslosen Situationen. Bestimmte Türen wollen einfach nicht aufgehen. Pessimismus macht sich breit.

Die Dynamik von Gesetz und Evangelium sagt mir, dass mein Heil zu 100% Geschenk ist. Ich habe nichts dazu beigetragen, es war allein Gott. Mit anderen Worten: Es ist ein Wunder, dass ein Sünder wie ich Christ werden durfte. Ich meditiere diesen Gedanken weiter für die hoffnungslose Gemeindesituation. Wenn Gott das große Wunder tun konnte, mein Herz zu öffnen, dann wäre es ihm eine Kleinigkeit in dieser festgefahrenen Situationen noch „Wege zu finden, da Dein Fuß gehen kann“.

4) Das Evangelium schenkt allererst die Motivation für Leitung und Gemeindeaufbau. Das Evangelium schenkt Freude, die hinaus will. Dass Gott sich für mich klein gemacht hat, schenkt mir die Motivation, mich als dienender Leiter auch für andere Menschen klein zu machen.

5) Gesetz und Evangelium helfen mir als Leiter in der Gemeinde, Gnade und Wahrheit zusammenzuhalten. Das Gesetz verurteilt die Sünde. Das Evangelium spricht den Sünder gerecht. Das hat praktische Konsequenzen für mein Leitungsverhalten. Denn meditiere ich diesen Gedanken, dann beginne ich vielleicht ganz langsam auch bei meinem Gegenüber den Sünder von der Sünde zu trennen. Ich kann jemandem auf der Sachebene widersprechen und ihn doch auf der Beziehungsebene lieben.

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One response to “Wie das Evangelium unsere Art verändert, eine Gemeinde zu leiten”

  1. Gunnar says :

    Hallo Malte,
    ein sehr schöner Artikel.
    Gerade die Punkte 1 & 3 sprechen mir gerade aus dem Herzen. Demut und Hoffnung. Gott handelt und ich empfange.
    sdg
    Gunnar

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