Wie ich richtig Feedback gebe

Ich mag Feedback. Es hilft mir enorm weiter. Vor allem, wenn es schön konkret ist. Zuviel davon, kann ich eigentlich nicht bekommen.

Das geht nun nicht nur mir so. In einer Studie über die sogenannte Generation Y (Gen Y), also alle nach 1981 geborenen, konnte Anders Parment aufzeigen, dass den meisten Vertretern unserer Generation ein klassisch-jährliches Feedback nicht mehr reicht. 85,1% der Befragten war Feedback sehr wichtig oder sie wollten es so oft wie möglich erhalten.

© stockimages / FreeDigitalPhotos.net

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Dennoch kann beim Feedback-Geben auch einiges schiefgehen. So gut wie jeder von uns könnte wohl so eine Leidensgeschichte von einem missglückten Feedback erzählen.

Deshalb versuche ich mich an die folgenden Grundsätze zu halten. Eigentlich sollten sie selbstverständlich sein. In der Theorie sind sie es meistens auch. Aber in der Praxis?

Was beim Feedback zu beachten ist

  • Subjektiv statt objektiv sprechen. Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem Feedback und einer Beurteilung. Ein Feedback basiert immer nur auf meiner subjektiven Wahrnehmung. Das weist das Feedback in seine Grenzen. Es hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
  • Ich-Botschaften benutzen. Der Ausgangspunkt des Feedbacks bin ich, der Feedback-Geber selbst. Ich melde nicht zurück, wie etwas war, sondern wie etwas auf mich gewirkt hat. Ich sage nicht „Das war schlecht“, sondern „Mich hat daran gestört.“
  • Über Handlungen, nicht über Eigenschaften sprechen. Ein gutes Feedback bezieht sich nicht auf die Person selbst („Du bist langweilig“), sondern auf eine konkrete Handlung, zum Beispiel ein Referat („Bei Deinem Referat wurde ich müde“)
  • Über konkrete Ereignisse sprechen. Ein gutes Feedback hat stets einen konkreten und auch zeitnahen Anlass. Wir sammeln hier keine Rabattmarken und verzichten auf Generalisierungen („Du machst immer alles falsch“)
  • Positiv formulieren. Ich will das Negative nicht verschweigen, aber es kommt auf die Zielsetzung und meine Haltung an. Ein gutes Feedback will den anderen nicht fertigmachen, sondern ihm Potenziale, sowie Lern- und Entwicklungschancen aufzeigen.
  • Feedback vorbereiten. Meiner Erfahrung nach wird ein Feedbackgespräch dann besonders hilfreich, wenn es (kurz) vorbereitet ist. Wenn ich mir vorher ein paar Gedanken gemacht habe, komme ich über ein wenig hilfreiches „Das war gut so“ hinaus.

Das geWIEHfte Feedback als konkretes Praxis-Tool

Ein für mich hilfreiches Schema zum Feedback-Geben stellt Volker Kessler in seinem kleinen, aber feinen Büchlein „Kritisieren ohne zu verletzen“ vor. Er entwirft hier das Modell des sogenannten „geWIEHften Feedbacks.“

Auf den ersten Blick wirkt der Ansatz etwas hölzern. Hat man ihn aber irgendwann verinnerlicht, dann wird das „geWIEHfte Feedback“ ganz natürlich.

Der Vorteil des „geWIEHften Feedbacks“: Hier wird die Rückmeldung in einzelne Schritte zerlegt und es kann dann nachvollzogen werden, auf welcher Ebene der Hund begraben liegt. geWIEHft steht dabei für…

Wahrnehmung: Ich benenne schlicht und einfach, was ich beobachtet habe. Das geschieht ohne jede Interpretation und Bewertung. Die Beobachtung ist möglichst konkret.

Interpretation: Nun interpretiere ich die eben gemachte Beobachtung. Ich versuche mir zu erklären, warum mein Gegenüber die Sache so gemacht hat und nicht anders.

Emotion: Ich benenne, was die Handlung in mir ausgelöst hat.

Handlungswunsch: Ich formuliere einen Handlungswunsch, keinen Befehl. Mein Gegenüber kann frei entscheiden, ob er sich daran halten will oder nicht.

Damit es nicht abstrakt bleibt, hier zwei Beispiele:

Von einer Frau, die das zweite Mal in dieser Woche von einer guten Freundin kurzfristig versetzt wurde: „Du hast heute das zweite Mal in dieser Woche unsere Verabredung innerhalb einer Stunde vorher abgesagt (Wa). Ich kann mir vorstellen, dass Du viel anderes auf Deinem Zettel hast, was Du unbedingt erledigen musst (I). Ich bin wütend, weil ich mir ausmale, was ich mit dem Abend noch hätte alles anfangen können (E). Bitte sage mir schon ein paar Tage vorher Bescheid, wenn Du absehen kannst, dass es eine volle Woche wird (H).“

Von einem Gottesdienstbesucher zu einem Bassisten nach dem Gottesdienst: „Bei dem zweiten Lied hast Du im Intro einen Lauf gespielt (Wa). Wahrscheinlich wolltest du damit den eher langweiligen Song etwas aufpeppen (I). Bei mir hat das auch total funktioniert. Ich habe einen Groove gespürt und wollte mich unbedingt bewegen (E). Gerne mehr davon! (H).

Frage: „Was war das misslungenste Feedback, das Du je erhalten hast? Und welches das beste? An welche Grundregeln hältst Du Dich beim Feedback-Geben? Und was tust Du, um mit möglichst viel Gewinn ein gutes Feedback zu bekommen?“ Ich freue mich sehr über einen Kommentar!

 

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