Warum es gar nicht so schwer ist, auch zu leben, was man predigt

Damit Kirche glaubwürdig sein kann, darf die Kluft zwischen dem, was sie sagt und dem, was sie lebt, nicht zu groß sein. In diesem Beitrag geht es darum, wie genau das gelingen kann… und warum es gar nicht so schwer ist.

© David Castillo Dominici / FreeDigitalPhotos.net

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Viele Menschen stehen unseren Kirchen skeptisch gegenüber. Ein Grund dafür ist, dass man die Kirchen und ihre Amtsträger nicht für glaubwürdig hält. Von den Kanzeln wird hohe Moral gepredigt. Die Realität sieht aber oftmals ganz anders aus.

Wasser predigen und Wein trinken

Für die Presse ist das ein Lieblingsthema. Und so findet man auch immer wieder Artikel über Skandale in Kirchen. Schlechter Umgang mit Geld oder Machtmissbrauch. Die Liste ist lang. Tebartz van Elst kann ein Beispiel sein für die empfundene Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Das Problem ist allerdings ein alter Hut. Schon Heinrich Heine brachte es mit dem bekannten Sprichwort auf den Punkt: „Ich weiß, sie tranken heimlich Wein. Und predigten öffentlich Wasser.“

Es mangelt also oftmals an Integrität. Integrität ist, wenn meine Taten mit meinen Worten übereinstimmen. Wir brauchen also integere Verkündiger auf unseren Kanzeln. Ein Ding der Unmöglichkeit?

Ich finde es inzwischen tatsächlich gar nicht mehr so schwierig, mein Leben mit meiner Predigt übereinstimmen zu lassen. Klingt arrogant?

Man könnte dieser Form von Kirchenkritik natürlich auch zahlreiche gute Beispiele entgegenhalten. Pfarrerinnen und Pastoren, die mit gutem Beispiel vorangehen, die Großartiges für unsere Gesellschaft bewirken.

Das ist aber gar nicht mein Punkt. So überhaupt nicht. Das Problem ist meiner Meinung nach weniger, dass wir nicht tun, was wir sagen. Das Problem liegt vielmehr in dem, was wir sagen.

Das Problem liegt weniger im Lebenswandel als vielmehr in der Botschaft der Predigt

Das eigentliche Problem ist nämlich die Gesetzlichkeit zahlreicher Predigten. In der Predigt geht es dann hauptsächlich um Moral. Darum, was man tun sollte. Das gibt es natürlich in der eher links-liberalen Variante als Einsatz für die Schwachen in der Gesellschaft. Als Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Aber es gibt auch das konservative Pendant. Engagierte Teilnahme am Gemeindeleben und am missionarischen Gemeindeaufbau. Und ein guter Familienmensch muss ich natürlich sein.

Allerdings geht es beim Christentum primär gar nicht um diese Ethik, sondern um Gott. Deshalb sollte eine Predigt nach evangelischem Verständnis vielmehr eine Botschaft von dem sein, was Gott getan hat. (Hier habe ich darüber mehr geschrieben), nicht eine To-Do-Liste mit 6 tollen Ratschlägen für die nächste Woche.

Natürlich ist Ethik auch ein wichtiges Thema, es ist aber nicht das Zentrum. Es ist eine Konsequenz des Zentrums. Auch das ließe sich entfalten, will ich jetzt aber nicht. Man verzeihe mir meine Einseitigkeit im diesem Beitrag.

Wenn Predigen also in erster Linie die Ausrichtung einer Botschaft ist, dann löst sich das Integritäts-Problem ganz von alleine. Denn das Thema ist ja nicht mehr, wie das Leben eines guten, braven Menschen aussehen müsste, sondern wie das Leben von Jesus Christus ausgesehen hat.

Kirche als Krankenhaus für Sünder

Und dann gibt es noch einen zweiten Aspekt. Was für ein Bild vermitteln wir als Prediger eigentlich von uns selbst? Das Gesetz Gottes sagt uns doch klar und deutlich, dass alle Menschen Sünder sind. Allen voran wir Menschen auf der Kanzel. Das dürfen wir dann doch auch weitersagen, oder?

Als Prediger will ich in erster Linie kein Vorbild für ein gutes, christliches Leben sein. Ich will sagen, dass ich Sünder bin. Vielleicht können wir so langfristig etwas gegen das Image von Pastoren als Moralapostel tun und uns als aus Gnade lebende Sünder verstehen.

Kirche ist vielleicht vielmehr ein Krankenhaus für Sünder als die Moralinstanz unserer Gesellschaft. Augustin hatte es einmal so ähnlich gesagt. Wir sollten uns deshalb nicht wundern, wenn unter Christen nicht immer alles gerade geht.

Ich selbst kriege das beim Predigen auch nicht immer so ganz auf die Reihe und so manches Feedback von Hörern war da für mich sehr aufschlussreich. Von daher bin ich da selbst noch in einem Lernprozess. Aber: so what? Entscheidend ist doch, dass Gott klasse ist und nicht, dass ich ein klasse Homiletiker wäre.

Wenn ich selber als Sünder auf die Kanzel trete und die Menschen nicht mit To-Do-Listen zuballere, sondern lieber von unsrem großartigen Gott erzähle, dann ist es wohl auch gar nicht mehr so schwer, dass zu leben, was ich predige.

Frage: Zu einseitig? Wenn ja, warum? Was für Erfahrungen hast Du mit Predigern gemacht, bei denen Worte und Taten nicht zusammenpassten?

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