„Lasst mich euch eine Geschichte erzählen“ – Leiten als Storytelling

Ein wirkungsvoller Bestandteil von Leitung ist das Erzählen von Geschichten oder neudeutsch „Storytelling“ genannt. Die gegenwärtige Führungsforschung arbeitet mehr und mehr gute Gründe für dieses „Führungsmittel“ heraus. Dabei setzt sich aber auch die Einsicht durch: Es gibt verschiedene Arten von Geschichten und nicht jede ist immer gleich angebracht.

© digitalart / FreeDigitalPhotos.net

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Dass Geschichten spannend und unterhaltsam sein können, war mir irgendwie immer klar. Aber Geschichten bewusst in Leitungsprozessen einzusetzen, davon habe ich bisher wenig gebraucht gemacht. In letzter Zeit habe ich mich aber intensiver mit dem sogenannten „Storytelling“ beschäftigt und bin summa summarum auf die folgenden 6 Gründe gestoßen, die für eine Verwendung von Geschichten sprechen:

1) Geschichten funktionieren immer. Verschiedenste Forscher haben darauf hingewiesen, dass Menschen zu allen Zeiten und allen Kulturkreisen sich gegenseitig Geschichten erzählt haben. Menschen können grundsätzlich Geschichten verstehen und in Geschichten denken. Natürlich mögen manche Leute Geschichten lieber als andere. Und dennoch: Gerade wenn man es mit einer großen Unterschiedlichkeit von Menschen zu tun hat, können Geschichten weiterhelfen.

2) Geschichten sind leicht und in kurzer Zeit zugänglich. Führungskräfte sind dafür da, andere Menschen auf einen Weg mitzunehmen. Aber unsere Zeit wird immer komplexer und schneller und so wird dieses „Mitnehmen“ immer schwieriger. Geschichten bieten hier eine Möglichkeit, komplexe Sachverhalte in kurzer Zeit kommunizieren zu können.

3) Geschichten bilden Vertrauen. In der Regel bildet sich Vertrauen durch einen zeitintensiven Prozess. Aber durch Storytelling kann ich auch in kurzer Zeit etwas von mir ausdrücken und mich und meinen Charakter zeigen. Paradoxerweise weisen mehrere Experten darauf hin, dass gerade Geschichten des eigenen Scheiterns und Zweifelns beim Gegenüber Vertrauen entstehen lassen. Ich darf mit meinen Geschichten also auch Schwäche zeigen.

4) Geschichten vermitteln Sinn und Vision. Arbeit macht dann Spaß und Freude, wenn ich weiß, warum ich sie tue. Hat die Tätigkeit einen Sinn oder habe ich eine Vision, dann krempel ich auch mal meine Ärmel hoch. Es braucht also nicht nur „Know-How“, sondern auch „Know-Why“. Dieser Sinn lässt sich aber am besten mit Geschichten und weniger mit Regeln und Regularien vermitteln.

5) Geschichten wirken gemeinschaftsbildend. Da alle Zuhörer und Mitarbeiter durch die Geschichte ein gemeinsames Bild und eine Sprache haben, entsteht zwischen ihnen eine Gemeinschaft. Alle wissen, was gemeint ist. Gleichzeitig geben Geschichten jedoch auch der Individualität Raum. Jeder hört die Geschichte ein bisschen anders und betont vielleicht einen besonderen Aspekt. So kann die Geschichte auch zu „seiner oder ihrer“ Geschichte werden.

6) Geschichten vermitteln Werte und sind so handlungsleitend. Attraktive und anziehende Geschichten vermitteln implizit stets Werte. Und damit verändert eine Geschichte indirekt und langfristig auch das Handeln der Hörer.

Die richtige Geschichte aussuchen

Ok. Dass Geschichten wichtig sind, wäre damit geklärt. Dann gab es für mich aber noch eine zweite spannende Entdeckung. Nicht jede Art von Geschichte ist immer gleich angemessen und zielführend. Denn die Auswahl der Geschichte und die Art und Weise, wie man sie erzählt, müssen zum gewünschten Ziel passen.

Die folgende Tabelle stammt von Stephen Denning. Ich habe sie aus dem Englischen übersetzt. Der Link zum originalen Artikel findet sich hier (Studenten können sich den Beitrag in der Regel kostenlos im Uninetz herunterladen). Ich finde, diese Übersicht gibt interessante Anregungen.

Eigene Übersetzung aus dem Englischen nach Stephen Denning

Eigene Übersetzung aus dem Englischen nach Stephen Denning

Frage: Fällt Dir ein gelungenes Beispiel für die Verwendung einer Geschichte in einem Führungsprozess ein? Oder auch eine misslungene? Ich freue mich sehr auf einen Kommentar!

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