Mehr aus den Büchern herausbekommen, die ich lese

In meinem Theologiestudium war das Lesen manchmal mehr Frust als Lust. Viel habe ich gelesen. Und eigentlich auch gerne. Doch oftmals stellte sich ein bestimmte Erfahrung ein: Nach wenigen Tagen war der Inhalt aus meinem Kopf verschwunden. Da hätte ich mir die Stunden der Lektüre ja auch gleich schenken können! Ich denke mir: Es müsste doch irgendwie anders gehen.

© Serge Bertasius Photography / FreeDigitalPhotos.net

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Dabei ist das Lesen ja so wichtig. Besonders für all die Menschen, die in irgendeiner Form Leitungsverantwortung übernehmen. Da gibt es dieses Sprichwort: „Leaders are readers.“ Und Charlie Tremendous Jones hat einmal gesagt:

You will be the same person in five years as you are today except for the people you meet and the books you read.

Bücher prägen unser Denken und verändern unser Handeln. Deshalb ist doch völlig legitim, sich einmal die Frage zu stellen: “Wie kann ich mehr aus den Büchern herausbekommen, die ich lese?”

Natürlich gilt das in der Form nicht für all die Bücher, die man nur zur Entspannung und zum Kopf-Frei-Bekommen liest. Aber für all das, was unter „Autodidaktische-Lektüre-Fortbildung“ fällt, könnten die folgenden 6 Hinweise hilfreich sein. Mir zumindest haben sie geholfen:

1) Bücher zweimal lesen: Lange dachte ich, es wäre Zeitverschwendung, ein Buch ein zweites Mal zu lesen. Schließlich hatte ich es ja schon einmal getan. Doch zu meiner eigenen Überraschung ist der Lerneffekt bei einem zweiten Durchgang groß. Gerade lese ich ein zweites Mal durch Tim Kellers „Center Church“. Außerdem lassen sich manche bekannte Luther-Schriften kostenlos als e-books herunterladen. Die Freiheitsschrift Luthers kann man einfach wieder und wieder lesen. Und langsam setzen sich die Gedanken in meinem Kopf fest. Auch nach Monaten ist das Wichtigste noch da.

2) Über das Gelesene reden: Einen ähnlichen Effekt hat das Gespräch. Wenn ich die Gedanken des Buches selbst noch einmal mit eigenen Worten wiedergebe und manch kritische Rückfrage beantworten muss, durchdringe ich den Inhalt noch einmal ganz anders. Hierfür bin ich allen ehemaligen Kommilitonen sehr dankbar. Warum sich nicht einmal im Monat mit einem Freund zum Skypen verabreden und sich gegenseitig ein spannendes Buch vorstellen?

3) Verschiedenste Leseformen nutzen: Ein Vorteil unseres digitalen Zeitalters ist es, dass sich uns inzwischen so viele verschiedenste Leseformen bieten. Da finde ich leichter die Form, die zu mir passt. So habe ich für mich die Hörbücher entdeckt. Der Inhalt erschließt sich noch einmal ganz anders, wenn man ihn vorgelesen bekommt.

4) Kurze Exzerpte erstellen: Das war für mich ein echter Wendepunkt. Seit ich mir – in welcher Form auch immer – kurze Notizen mache, bleibt so viel mehr hängen. Hierfür bieten sich viele Möglichkeiten an. Vom kleinen Post-It, der den wichtigsten Gedanken festhält, über kurze Abstracts und Kurzrezensionen, Mindmaps oder Literaturverwaltungsprogrammen wie Citavi, Notizen in Evernote hin zu einem Blog, auf dem Du die wichtigsten Lesefrüchte festhältst und mit anderen teilen kannst. Nutze die Form, die zu Dir passt. Nimm Dir die Zeit zum Kurzexzerpt, auch wenn es nur zwei Sätze lang ist.

5) Nicht in die Perfektionismus-Falle tappen: Ich will mir erlauben, auch einmal Bücher wegzulegen und zu einem spannenderen weiterzugehen. Einer meiner Professoren sagte einmal sinngemäß: „Ein Buch muss schon sehr, sehr gut sein, um länger als 100 Seiten sein zu dürfen.“ Und Recht hat er. Oft wird die Hauptthese eines Buches eh auf den ersten Seiten dargelegt, so dass bei Abbruch die Verluste oftmals eh minimal sind. Ich erlaube mir deshalb auch ein reines Querlesen: den Anfang, das Ende und ein interessantes Kapitel.

6) die richtige Literatur auswählen: Den wenigsten Frust beim Lesen hat man schlicht und einfach, wenn man das richtige Buch auswählt. Deshalb darf ich es mir ruhig zweimal überlegen, ob ich ein Buch lesen will oder nicht. Ich lese Rezensionen und klicke mich online durch Kundenbewertungen. Es gibt auch manche Podcasts, bei denen regelmäßig Bücher vorgestellt werden oder Interviews mit Autoren geführt werden. In diesen Interviews stellen die Autoren dann oft die Hauptthese ihres Werkes vor. Für den Bereich „Führen und Leiten“ führen solche Interviews im deutschsprachigen Raum Bernd Geropp (Link) und auf Englisch gibt es den Entre-Leadership-Podcast (Link).

Eine kleine Auflistung von Büchern, die mir zum Thema Leitung weitergeholfen haben, gibt es hier.

Frage: Was hilft Dir beim Lesen? Und was hast Du schon einmal ausprobiert und es hat nicht geholfen? Warum liest Du überhaupt?

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2 responses to “Mehr aus den Büchern herausbekommen, die ich lese”

  1. FM says :

    „Bücher zweimal lesen“ – das sollte ich mir wohl auch mal vornehmen. Das lässt sich ja auch mit deinem 5. Punkt gut kombinieren. Vielleicht muss man’s ja, je nachdem was genau für ein Buch das ist, beim zweiten Mal nicht komplett lesen, wenn man bestimmte Gedankengänge oder Argumentationsstränge doch noch im Kopf hat. Hab ich bisher jedenfalls selten gemacht, nehm‘ ich mir aber ab sofort vor:-)

    Ich habe eigentlich ganz gute Erfahrungen mit den (Kurz-)Exzerpten gemacht (ich nutze dafür Evernote). Das hilft tatsächlich sehr – und es hat den entscheidenden Vorteil, dass ich schnell nochmal in Kurzform nachschauen kann, wenn ich wissen will, was wo steht. Evernote ist auch super in Google integriert, sodass ich bei meinen Suchen über Google auch automatisch passende Notizen angezeigt bekomme. Hat bei mir in manchen Fällen schon zum „Aha“-Erlebnis geführt: „Ah, richtig – da war doch was in Buch xy,,,).

    • Malte says :

      Danke für das Teilen von Deinen Erfahrungen! Ich werde mir wohl Evernote nochmal genauer anschauen müssen. Bisher nutze ich es eigentlich hauptäschtlich für Einkaufslisten. 🙂

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