Was macht eine gute Predigt aus? – 7 Grundsätze

Ab September beginnt mein Vikariat in der ev.-luth. Kirche in Norddeutschland. Darauf freue ich mich sehr! Für mich wird das auch bedeuten regelmäßig zu predigen. Eine echte Herausforderung.

Ich finde, dass ist ein guter Anlass, um mir einmal selbst klar zu machen, was für mich eigentlich eine gute Predigt ausmacht. Was sind die Grundsätze, an die ich mich selbst beim Reden von der Kanzel halten möchte?

© sippakorn / FreeDigitalPhotos.net

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Wahrscheinlich formuliere ich diese Grundsätze momentan sehr idealistisch. Hier wird sich manches in der Praxis bestimmt verschieben und vielleicht sogar verändern.

Das Folgende ist also keineswegs in Stein gemeißelt. Aber über seine eigenen Grundsätze zu reflektieren, an die man sich bewusst oder auch unbewusst hält, ist dennoch eine hilfreiche Übung.

Auch als Predigthörer kann es hilfreich zu sein, sich die Frage zu stellen, woran ich eigentlich eine gute Predigt erkenne. Von daher ist das Folgende nicht nur für Menschen im Verkündigungsdienst gedacht.

Je mehr ich über meine eigenen Grundsätze nachdenke, desto mehr tendiere ich dazu, hierfür ein „Minimum-Faktor-Prinzip“ zu behaupten. Das bedeutet: Das Gesamtkonstrukt ist so stark, wie das Schwächste der Glieder.

Aber nun zu den sieben Grundsätzen, die ich mir selbst sage:

1) Predige das Gesetz! Das Gesetz sagt uns, wie wir sein sollten. Aber das Gesetz sagt uns noch ein Zweites. Und das ist die eigentliche Pointe: Das Gesetz sagt uns, dass wir nicht so sind, wie wir sein sollten (Röm 3,20). Wenn wir das Gesetz predigen, dann legen wir das Problem des Menschen offen: Er baut seine Identität auf vergängliche Dinge (mehr hier), auf sich selbst, bricht Gottes Gebote, usw. Er steht aus all diesen Gründen unter dem Zorn und dem Gericht Gottes.

2) Predige das Evangelium! Das Gesetz treibt uns in die Arme des Evangeliums. Das Evangelium ist eine Botschaft (mehr hier), die uns sagt, dass Jesus Christus so war und ist, wie wir sein sollten. Diese Botschaft wird dadurch gut, dass Jesus mit uns tauscht. Er lebte, starb und erstand stellvertretend für uns, uns zugute und an unser statt. Meine Sünde, Verzweiflung, Einsamkeit, der Zorn Gottes usw. liegt nun auf ihm. Seine Gerechtigkeit und sein Leben ist nun mein. Diese gute Botschaft ist Zentrum und Zielpunkt einer jeden gelungenen Predigt.

3) Predige die Konsequenzen des Evangeliums! Hier geht es um Ethik. Ethisch predigen meint jedoch nicht, die Zuhörer dazu aufzufordern, besser zu leben. Vielmehr geht es darum, die Konsequenzen des Evangeliums für das alltägliche Leben aufzuzeigen (Vgl. CA VI). Welchen Unterschied macht das Evangelium für unseren Umgang mit Armut, sozialer Ungerechtigkeit, Arbeitsleben, Freizeitgestaltung, usw. Ein Beispiel: Wer weiß, dass er in Jesus Christus alle Reichtümer der Welt geschenkt bekommen hat, dem öffnet sich das Herz für den bedürftigen Nächsten. (Vgl. 2Kor 8,9)

4) Predige den Text! All das bisher Gesagte ist streng genommen ein dogmatisches Konstrukt. Im Vordergrund sollte jedoch der Text stehen. Aber manchmal will der Text eben etwas sagen, was nicht so ganz in mein dogmatisches System passt. Und das ist gut so! Dann will ich dem mehr folgen als meinem System. Als systemverliebter Mensch muss ich mir das selbst immer wieder sagen. Wenn die Zuhörer hinterher selbst mehr Interesse am Bibellesen bekommen, wäre für mich sehr viel gewonnen (mehr dazu hier).

5) Predige Christus! Für mich ist es eine der spannendsten Erfahrungen, Jesus Christus in jeder biblischen Perikope zu entdecken. Hier erschließt sich meiner Ansicht nach auch ihr eigentlicher Sinn. Biblische Texte sind dann erst in zweiter Linie Geschichten, in den ich mich wiederfinde. Sie sind in erster Linie Geschichten, in denen ich Christus wiederfinde. Der kleine David besiegt den großen Goliath. Darin spiegelt sich der Sieg des sich selbst erniedrigenden Jesus Christus wieder, den er gegen die Mächte von Sünde, Tod, Teufel und Hölle errungen hat, usw.

6) Predige relevant! Manchmal gibt es Predigten, die theologisch völlig korrekt sind… und dennoch absolut langweilig. Von der Kanzel werden ewige Wahrheiten referiert, mit meinem Leben hat das aber nichts zu tun. Ernst Lange hatte die Herausforderung einmal brillant auf den Punkt gebracht: „Predigen ist Rede mit dem Hörer über sein Leben im Licht der Verheißung“ Die Frage lautet also immer: „Wo macht dieser Inhalt im Leben einen ganz konkreten und praktischen Unterschied?“ Zu welchen alltäglichen Erfahrungen kann ich vom Text her eine neue Einstellung gewinnen? Wo werde ich aufgrund des Evangeliums anders handeln?

7) Predige auf den Punkt! Ich mag Predigten nicht, die alles und nichts sagen wollen. Weniger ist deshalb in der Regel mehr. Was ist der eine Gedanke, den ich heute vermitteln möchte? Diese Sache kann man übrigens sehr gut von Andy Stanley lernen. Auch wenn ich mit ihm inhaltlich nicht immer einer Meinung bin, er schafft es seine Gedanken auf einen Punkt zu bringen, der dann auch hängen bleibt.

Frage: An welchen dieser Aspekte musst Du in Zukunft verstärkt arbeiten? Hole Dir dazu Feedback von anderen ein. Welchen Grundsatz vermisst Du? Welchen würdest Du streichen? Welchem umformulieren? Ich freue mich auf einen Kommentar!

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4 responses to “Was macht eine gute Predigt aus? – 7 Grundsätze”

  1. Arnold Pett says :

    Deine Grundsätze finde ich absolut Klasse!
    Ich habe mir das noch nie so pointiert vor Augen geführt; und Deine Grundsätze werden jetzt bei mir zu den 7 Geboten des Predigens. 🙂

    Schwierig finde ich allerdings Punkt 5. Sicher kann man in jeder Perikope Christus entdecken, also finden, was Christum treibet. Man muss aber beim AT ziemlich aufpassen. Du kennst mit Sicherheit die berühmte Jesuskurve oder das Jesusschlänkerli, für die/das ich des Öfteren schon gerügt worden bin. Das AT birgt auch gerade in Bezug auf das Judentum viele Tücken beim expliziten Predigen von Christus.

    Punkt 6 ist immer leicht gesagt, aber unheimlich schwer in der Praxis umzusetzen, v.a. im Angesicht der resignierenden Postmoderne. Da wünschte ich mir eine handfeste Methode, die es leider nicht gibt. Jeder Mensch ist individuell und hat seine je eigenen Relevanzen.

    So nun aber genug.

    Vielen Dank für die creativen Anregungen!!!

    LG Arnold

    • Malte says :

      Vielen Dank für Deine guten Worte. Die machen mir Mut. Punkt 5 ist in der Tat nicht ganz unproblematisch und man müsste sich wohl viel mehr Zeit nehmen, dass näher zu durchdenken und auszuführen.

      Ich persönlich finde es nur sehr spannend und ungemein hilfreich, für mich persönlich Jesus Christus auch im Alten Testament zu entdecken. Ich hoffe dabei sehr einen Weg zu finden, den andere dann nicht als irgendeine Form von „antijüdischer“ Auslegung empfinden. Das bleibt wohl definitiv eine Herausforderung. Hättest Du dazu Ideen? Würdest Du ganz darauf verzichten?

      • Isabelle says :

        Hallo Malte.
        Danke für deine gutes Impulse!
        Soweit wie ich die Bibel verstanden habe, hat es seine Berechtigung, Christus auch im Kontext des AT zu suchen und zu predigen. Von daher würde ich auf keinen Fall diesen Punkt ganz wegfallen lassen!
        Die Bibel macht es uns ja selbst vor mit den Erfüllungszitaten im Matthäusevangelium. Und auch Jesus selbst und andere Autoren des NT beziehen alttestamentliche Aussagen und Handlungen auf ihn (Christus):
        – Jesu Predigt in Nazareth (Lk. 4, 16-21)
        – Jesus als das Opferlamm (Joh. 1, 29)
        – Jesus als Hohepriester (Hebr. 7)
        usw.
        Von daher ist Punkt 5 in meinen Augen völlig korrekt und biblisch 🙂

        LG und Gottes Segen dir,
        Isabelle

      • Malte says :

        Vielen Dank Dir, Isabelle, ich sehe das grundsätzlich auch genau so wie Du, man steht irgendwie nur vor der Herausforderung sein Anliegen auch da zu kommunizieren, wo auf diese Auslegung sehr empfindlich reagiert wird.

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