Was tun, wenn meine Vision an der Wirklichkeit scheitert?

Frust! Mein Traum zerschellt an den Klippen der Realität. Aufgeben oder weitermachen? Bei aller Enttäuschung, es gibt zwei mutmachende Dinge, die dieser Frust mit sich bringen kann.

© sattva / FreeDigitalPhotos.net

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Ein Manager rauft sich die Haare. Die Unternehmensvision steht zwar auf dem Papier, aber im Angesicht der Realität erscheint sie als vermessene Träumerei. Ab in den Papierkorb? Für eine Fahrlehrerin wird sich der Traum von der Selbstständigkeit wohl auch in diesem Jahr nicht erfüllen. Den Traum an den Nagel hängen? Ein Pastor treibt die Kluft zwischen seinem Idealbild von Gemeinde und der wahren Wirklichkeit zur Verzweiflung. Wird sich nie etwas ändern?

Das Stockdale-Paradoxon: Frust als Augenöffner

Jeder, der einen großen Traum verfolgt, kennt diese Gedanken. Aber was tun? Eine erfrischende Perspektive bietet Jim Collins in seinem Management-Klassiker „Good to Great“.

Jim Collins erzählt die Geschichte von Admiral Jim Stockdale, der während des Vietnam-Krieges in eine achtjährige Gefangenschaft geriet. Diese Zeit war sehr hart und herausfordernd, aber Stockdale hielt durch, kam eines Tages frei, sah seine Familie wieder und wurde mit Ehrungen nur so überschüttet. Als er gefragt wurde, woher er die Kaft zum Durchhalten bekam, gab er eine spannende Antwort.

Unter seinen Mitgefangenen gab es zwei Arten von Menschen, die an der Haft zerbrochen sind. Da waren zum einen die Menschen ohne Hoffnung. Sie sahen keinen Ausweg und dachten, sie würden niemals freikommen. Aber da gab es noch einen zweiten Typ, der die Haft nicht überstand: Die Optimisten. Es waren die, die sagten: „Zu Weihnachten sind wir draußen.“ Aber Weihnachten kam und nichts geschah. Dann hieß es: „Zu Ostern sind wir draußen.“ Aber auch Ostern zog ohne Veränderung vorbei. Irgendwann gaben sie die Hoffnung auf.

Jim Stockdale wählte einen dritten Weg. Er lebte in einem Paradox aus Realität und Hoffnung. Auf der einen Seite machte er sich bewusst, wie ernst die Realität ist und wie anstrengend der Weg sein würde. Aber andererseits gab er die Hoffnung auf Freiheit nie auf.

Nach Collins zeichnet dieses paradoxe Denken erfolgreiche Organisationen und Führungskräft aus. Die Fakten liegen schonungslos auf dem Tisch. Deshalb werden auch bessere Entscheidungen getroffen, da die Realität nicht verdrängt wird.

Deshalb gelte es ein Klima zu schaffen, in dem die Menschen die Wahrheit gerne aussprechen. Dazu müsse man durch Fragen und eben nicht durch Antworten führen und Diskussionen fördern (Hier habe ich beschrieben, wie das glingen kann). Und wenn einmal etwas schief geht, dann geht es eben nicht darum, einen Schuldigen zu finden, sondern gemeinsam aus dem Fehler zu lernen.

Und dennoch bleibt die Hoffnung: Eines Tages werden wir unser Ziel erreichen.

Die kreative Spannung: Frust als Energiequelle

Der Managementexperte Peter Senge beschreibt dieses paradoxe Mind-Set ganz ähnlich. Er spricht von einer kreativen Spannung. Dazu benutzt er ein sehr einprägsames Bild.

Da ist diese Kluft zwischen gegenwärtiger Situation und erhoffter Vision. Nun stelle man sich das wie zwei Pole vor, zwischen denen ein Gummiband aufgespannt ist. Das Gummiband steht auf Spannung und übt eine Kraft auf die beiden Pole aus. Es schreit nach Auflösung. Das geht in zwei Richtungen: Entweder senken wir unseren visionären Anspruch immer weiter und mildern die Spannung so ab. Oder: Unsere Situation kommt der Vision langsam immer näher.

Nach Senge handelt es sich hierbei um eine kreative Spannung. Sie ist eine Energiequelle. Wenn wir uns verbieten unsere Ansprüche (zu sehr) zu lockern, wird die Spannung Energie freisetzen.

Dann könne man auch gelassener mit Fehlern umgehen. Fehler sind nun gescheiterte Experimente, die Kluft zu schließen und damit eine Chance, zu lernen.

Fazit: Mit seiner Vision zu hardern, muss deshalb nicht immer nur schlecht sein. Denn wir können hier zweierlei lernen. Erstens hilft es uns, die Augen nicht vor der herausfordernden Realität zu verschließen und in einer Traumwelt zu leben. Und zweitens gilt es diese Spannung als eine Energiequelle zu begreifen, die uns zum Handeln motiviert.

Frage: Was hilft Dir in frustrierenden Zeiten, wenn die Kluft zwischen Anspruch und Realität immer größer zu werden scheint? Wann ist es vielleicht Zeit, eine Vision zu Grabe zu tragen?

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