Was lässt sich über How I met your mother aus christlicher Perspektive sagen?

Es ist vorbei. How I met your mother ist zu Ende gegangen. Ich denke, man kann anhand dieser Serie gut über den christlichen Glauben ins Gespräch kommen, vor allem über eine ganze besondere Facette: Sehnsucht.

© John Kasawa / FreeDigitalPhotos.net

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Aber Achtung: Spoiler-Alarm! In diesem Beitrag werde ich auf das Ende der Sitcom eingehen. Wer dieses noch nicht erfahren möchte, sollte nicht weiterlesen.

Ein unerwartetes Ende

Letzte Woche wurde die letzte Episode der Sitcom How I met your mother ausgestrahlt. Über neun Jahre begleitete die Serie eine ganze Generation. Auf Pro Sieben lief sie rauf und runter. Nun fand sie ihr Ende. Und was für ein Ende!

In der letzten Folge wird die Storyline noch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Dabei lief doch alles auf ein klassisches „Happy End“ hinaus. Ted findet die Liebe seines Lebens und die Mutter seiner Kinder. Die inzwischen zum Traumpaar avancierten Barney und Robin geben sich ihr „Bis das der Tod uns scheidet“. Aus dem ehemaligen Frauenheld Barney ist irgendwie ein neuer Mensch geworden.

Aber dann kam doch alles anders. Die Träume zerplatzen. Die Ehe von Barney und Robin hält keine drei Jahre, Barney fällt in alte Verhaltensmuster zurück, Freunde verlieren sich aus den Augen und am Ende eröffnet sich doch wieder eine Perspektive für Ted und Robin.

Das wollte so kaum einer sehen. Und so sind auch die meisten Kritiken im Internet eher negativ. Auch meiner Meinung nach war das ganz schlechtes Storytelling. Aber das ist ein anderes Thema.

Die guten, alten Werte

Ich schaue Fernsehserien gerne auch aus christlicher Perspektive. Besonders eine Serie, bei der ich so viel gelacht und mitgefiebert habe, wie bei How I met your mother. Aber was lässt sich nun vom christlichen Glauben aus hier entdecken?

Vor vielen Jahren – die Serie war in Deutschland gerade im Kommen – kam ich mit einer Freundin ins Gespräch. Sie schwärmte mir von How I met your mother vor. Ihr wesentliches Argument: Endlich mal eine Serie, wo das Hauptmotiv nicht wahlloses Kopulieren ist. Hier will der Hauptcharakter doch nur die Liebe seines Lebens finden. Er will heiraten und Kinder bekommen. Danach hat er Sehnsucht. Das passt doch ganz gut zu einem christlichen Weltbild, oder?

Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Für mich ist die Gleichung „Konservatives Weltbild = christlich“ in der Schlichtheit so nicht stimmig. Denn das Zentrum des christlichen Glaubens liegt weder in konservativen Werten noch im liberalen „Anything Goes“, sondern im Evangelium selbst, dem Handeln Gottes in Christus an unser statt.

Der Schrei der Sehnsucht

Aus christlicher Sicht ist deshalb ein anderes Thema viel spannender. Es ist die Sehnsucht. Denn How I met your mother ist eine einzige Hommage an die Sehnsucht. Es schreit einem förmlich entgegen.

Ted Mosby trägt eine Sehnsucht in sich. Es ist die Sehnsucht nach der Einen, nach der Liebe seines Lebens. Diese Sehnsucht wird über neun Staffeln immer wieder zelebriert. Diese Sehnsucht ist die Spannung, die nach Auflösung schreit.

Aber durch die ganze Zeit zieht sich noch eine zweite Botschaft: „Du wirst diese Liebe nicht finden!“ Es gibt keinen sicheren Hafen. Diese Sehnsucht wird nie gestillt. Die Spannung löst sich nicht auf. Bei der Liebe gibt es kein Hollywood-Happy-End. Ted braucht so viele Jahre um endlich seine Liebe zu finden. Und dann reist der Tod sie ihm aus der Hand. Seine andere Liebe ist Robin, mit der es immer wieder auf und ab geht.

Am Ende findet Ted nicht die eine Liebe, die seine Sehnsucht stillt. Er findet viele kleine „Lieben“, aber alles ist und bleibt gebrochen. Und so steht man als Zuschauer vor einem sehr melancholischen Ende. Es ist ein Ende, das der Realität des Lebens entspricht. Das muss man den Drehbuch-Autoren lassen.

Aber dennoch rebellieren die Zuschauer. Denn auch sie tragen diese Sehnsucht in sich. Auch sie hoffen, irgendwann die eine Liebe zu finden. Aber die finale Episode lässt ihre Sehnsucht ins Leere laufen.

Eine angedeutete Theologie der Sehnsucht

Aber was hat das alles nun mit dem christlichen Glauben zu tun? So viel! Denn die Christen aller Zeiten hatten einiges zum Thema „Sehnsucht“ zu sagen. Einer davon war C. S. Lewis. In einer meiner Lieblingspassagen in seinem Essay „Das Gewicht der Herrlichkeit“ schrieb er:

Die Bücher oder die Musik, in denen wir die Schönheit vermuteten, werden uns verraten, wenn wir unser Vertrauen in sie setzen; sie war nicht in ihnen, sie kam nur durch sie, uns was durch sie kam, war Sehnsucht. Diese Dinge – die Schönheit und die Erinnerung an unsere eigene Vergangenheit – sind gute Bilder für das, was wir wirklich wünschen; aber wenn wir sie für die Sache selbst halten, werden sie zu stummen Götzen, die die Herzen ihrer Verehrer brechen. Denn sie sind nicht die Sache selbst; sie sind nur der Duft einer Blume, die wir noch nicht gefunden, das Echo einer Melodie, die wir noch nicht gehört, Berichte von einem fernen Land, das wir noch nie besucht haben.

So ist es auch mit How I met your mother. Die wahre Liebe finden wir hier nicht. Wir finden hier nur einen schwachen Abglanz dieser einen Liebe. Aber vor allem finden wir ganz viel Sehnsucht.

Christen leugnen diese Sehnsucht nicht. Sie kennen sie auch. Aber sie haben die Gewissheit, dass diese Sehnsucht eines Tages, am Ende aller Zeiten, in Christus zu ihrem Ziel kommen wird und dass es in dieser Welt hin und wieder einen Vorgeschmack auf sie gibt. Es ist Jesus, der uns nicht fallen lässt, den der Tod uns nicht entreißen kann und der jeden Tag wieder spricht: „Ich liebe Dich!“ Hier findet unser Herz Ruhe. Oder wie Augustin es prominent formuliert hat: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr“

So kann man, denke ich, anhand von How I met your mother über den christlichen Glauben, sogar über Sünde sprechen. Wie das mit Tim Keller gehen kann, habe ich hier beschrieben.

Unsere Zeit lebt nicht nach dem Prinzip der Hoffnung, sondern nach dem Prinzip der Sehnsucht. Deshalb braucht sie auch eine Theologie der Sehnsucht.

Frage: Wie würdest Du christlichen Glauben und How I met your mother zusammenbringen? Wie deutest Du überhaupt Kunst aus christlicher Perspektive?

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2 responses to “Was lässt sich über How I met your mother aus christlicher Perspektive sagen?”

  1. preachitbaby says :

    Danke für diese wunderbare Passage von C.S. Lewis. Die hätte auch mein 17jähriges Ich gebrauchen können, das ganz schrecklich & sehnsüchtig in die Schönheit der Poesie verliebt war.

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