Der so wichtige Unterschied zwischen „Downloading“ und Zuhören

Einen Download kennen wir alle von der Arbeit am PC. Aber weißt Du, was der Begriff in der Gesprächsführung bezeichnet? Zwischen Downloading und richtigem Zuhören liegt ein gewaltiger Unterschied. Und wer das Downloading nicht zu vermeiden lernt, der trifft in Summe schlechtere Entscheidungen.

© hyena reality / FreeDigitalPhotos.net

© hyena reality / FreeDigitalPhotos.net

Mitarbeiter: „Wir haben da ein Problem mit dem Kunden Meier.“

Chefin: Sie denkt sich: „Wir? Nein, Sie haben ein Problem, weil Sie wieder einmal zu blöd für die einfachste Arbeit sind.“ Sie sagt aber laut: „Was gibt’s denn diesmal?“

Mitarbeiter: „Herr Meier hat dringende Änderungswünsche im Projekt, die er nur direkt mit Ihnen selbst besprechen möchte.“

Chefin: „Gut, dann rufe ich ihn an.“ Sie denkt sich aber: „Sieh einer an. Nicht nur ich, sondern auch Herr Meier hält Sie für inkompetent. Das war’s. In Zukunft werde ich Ihnen keine Verantwortung mehr übertragen.“

Wir verlassen das kurze Gespräch. Was ist hier gerade passiert? Der Führungsexperte Claus Otto Scharmer würde das Zuhörverhalten unserer Chefin wohl als Downloading bezeichnen. Aber was ist Downloading?

Was ist „Downloading“?

Downloading meint, dass wir, wenn unser Gegenüber etwas sagt, seine Worte herunterladen und diese sofort an einem bestimmten Ort unserer mentalen Festplatte abspeichern. Schublade auf, das Gehörte rein! Frei nach dem Motto: „Du brauchst gar nicht weiterreden, ich weiß eh schon, worum es geht.“

So macht es auch unserer Chefin. Sie hört dem Mitarbeiter gar nicht richtig zu. Sie weiß ja eh schon, was in Wirklichkeit Sache ist. Für andere Erklärungen ist sie blind. Vielleicht hat Kunde Meier ja gar kein Problem mit dem Mitarbeiter. Wir werden es nie erfahren.

Beispiele und Varianten des „Downloadings“

Ob privat oder beruflich, das Phänomen des Downloading begegnet uns immer wieder:

  • Die Telefonnummer einer sehr unzuverlässigen Mitarbeiterin blinkt als eingehender Anruf auf meinem Handydisplay auf. Das Downloading tritt hinzu. In mir steigt sofort der Gedanke empor: „Die meldet sich heute bestimmt wieder krank.“ Genervt gehe ich ans Telefon.
  • Ein Mitarbeiter, der sich in der Vergangenheit durch mangelndes Selbstvertrauen hervorgehoben hat, sagt mir, er traue sich die neue Aufgabe nicht zu. Das Downloading tritt hinzu. Mit einem „Das schaffen Sie schon“ begleite ich ihn sanft aus meinem Büro heraus.
  • Oder denken wir an Ping-Pong-Gespräche. Zwei Menschen unterhalten sich, reden aber an einander vorbei. Denn jeder benutzt das vom anderen Gesagte nur als Aufhänger für eine eigene Geschichte. Der eine erzählt von seinem Spanienurlaub, während der andere das Stichwort „Spanienurlaub“ downloadet und mit seiner mentalen Festplatte abgleicht. Sein Kopf ist mit der Frage beschäftigt: „Was fällt mir zum Thema Spanien oder Urlaub ein?“ Zuhören tut keiner mehr.

Gespräche, die vom Downloading bestimmt werden, sind meist nicht nur gähnend langweilig, sie sind in gewisser Hinsicht auch gefährlich. Besonders aus zwei Gründen.

Erstens lernen wir so nichts Neues. Wir bleiben ganz in unseren alten Denkmustern.

Und zweitens sehen wir die Dinge nicht so, wie sie wirklich sind. Wir sind gefangen in alten Schubladen. Beide Gründe führen dazu, dass wir in Summe schlechtere Entscheidungen treffen.

Wie kann ich dem „Downloading“ entkommen?

Grundsätzlich sind hier alle Tipps hilfreich, die unter dem Schlagwort „aktives Zuhören“ durch die Gegend geistern. Aber um besonders dem Downloading zu entfliehen, finde ich die folgenden drei Hinweise hilfreich.

  • Downloadingmuster identifizieren und kennenlernen: Wenn ich meine klassischen Zuhörmuster und Denkschubladen kenne, dann kann ich auch einmal bewusst anders hinhören.
  • Verlernen lernen: Zu Beginn eines Gespräches mache ich mir bewusst, dass ich noch nicht weiß, worum es gehen wird. Mit dieser Haltung gehe ich in das Gespräch. Ich will meine Downloadingmuster auch verlernen lernen.
  • Beim Thema bleiben: Ich versuche während des Gespräches ganz beim Thema meines Gegenübers zu bleiben und widerstehe der Versuchung, die nächste Ausfahrt zu einem meiner Lieblingsthemen zu nehmen.

Frage: Wo hast Du schon einmal das Downloading bei Dir oder anderen erlebt? Was ist Dir wichtig, um der Downloading-Falle zu entgehen? Wann könnte sich das Downloading vielleicht sogar als hilfreich herausstellen? Ich freue mich auf einen Kommentar!

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: