Mit Demut leiten – Lernen von Nelson Mandela

Über Führung lerne ich von Nelson Mandela vor allem eine Sache: Demut. Dabei wissen die wenigsten Menschen, was damit eigentlich gemeint ist. Kennst Du diese drei Aspekte von Demut?

© Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

© Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Als Nelson Mandela starb liefen anlässlich seines Todes zahlreiche Dokumentationen über sein Leben im Fernsehen.  Verschiedene Menschen wurden interviewt und immer wieder fiel ein Begriff, wenn sie Mandela beschrieben: Demut. Sie haben Mandela als einen demütigen Menschen wahrgenommen.

Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte seines ehemaligen Gefängniswärters. Obwohl er Mandela bewachen musste, wurden die zwei Freunde. Mandela half seinem Wärter sogar als Anwalt bei einem Gerichtsprozess und setzte sich später für die berufliche Zukunft seines Sohnes ein. Mandela begegnete seinem Wärter voller Demut.

Mandela ist damit ein klassisches Beispiel für das, was der Managementexperte Jim Collins einen „Level 5 Leader“ nennt. Diese höchste Stufe von Führung zeichnet sich nach Collins durch eine Kombination aus, die auf den ersten Blick paradox anmutet: Demut und Entschlossenheit.

Die Kombination dieser beiden Attribute machte Mandela zu einer so hervorragenden Führungskraft. Er begegnete Menschen mit Demut und war doch tief entschlossen, sich von seinem Kampf gegen die Apartheit nicht abbringen zu lassen. An dieser paradoxen Kombination hielt er auch als Präsident fest. So setzte er zur Aufarbeitung der Apartheit eine „Kommission für Wahrheit und Versöhnung“ ein. Beides sollte hier seinen Platz haben: Die reine Wahrheit und doch die echte Versöhnung.

Aber funktioniert das wirklich?

Ich denke, wir können von Nelson Mandela und Jim Collins lernen, dass Demut für eine Führungskraft sehr wichtig ist. Doch vielleicht ist damit nicht jeder sofort einverstanden. „Funktioniert Demut in der Realität auch wirklich?“ „Ist Demut nicht ein anderes Wort für Schwäche und Inkompetenz?“

Ich denke das nicht. Zum einen zeigen die Studien von Jim Collins, dass gerade die hoch erfolgreichen Führungskräfte sich durch Demut auszeichnen. Zum anderen: Demut ist kein nettes Wort, um Schwäche oder Inkompetenz zu kaschieren. Dabei hilft es weiter, einmal näher hinzuschauen, was Demut eigentlich genau ist.

Die drei Dimensionen von Demut

Der Australier John Dickson ist in seinem Buch „humility“ dem Wesen der Demut einmal näher auf den Grund gegangen. Seine Definition von Demut lautet: Demut ist das freiwillige Sich-Klein-Machen zu Gunsten eines anderen.

An dieser Definition lassen sich drei Beobachtungen machen, die mir enorm weitergeholfen haben, das Wesen von Demut näher zu verstehen.

1. Demut setzt stets Würde oder Größe voraus. Wenn man genauer drüber nachdenkt, ist es ganz logisch. Ich kann mich nur klein machen, wenn ich eigentlich groß bin. So impliziert Demut stets Würde. Als Christ bin ich der Ansicht, dass jeder Mensch von Gott geschaffen wurde und damit eine Würde besitzt. In gewisser Hinsicht sind Menschen also von sich aus groß. Demut hat damit nichts mit Schwäche, Unvermögen oder Inkompetenz zu tun. Denn Demut heißt, sich klein machen, auch wenn man eigentlich Macht hat.

2. Darüber hinaus setzt Demut gleichsam Freiheit voraus. Hierin liegt der Unterschied von Demut zur semantisch artverwandten Demütigung. Handle ich demütig, dann mache ich mich selbst klein und werde nicht klein gemacht.

3. Zuletzt hat Demut nach Dickson eine soziale Dimension. Hier liegt der Unterschied zur Bescheidenheit oder auch zu mangelndem Selbstvertrauen. Es ist eben das Sich-Klein-Machen für einen anderen, nicht um meiner selbst willen. Anders gesagt: Demut heißt dann nicht weniger von mir selbst zu denken, sondern weniger an mich selbst zu denken.

Diese drei Aspekte machen Demut für mich attraktiv. Und Nelson Mandela inspiriert mich, mir diese Frage zu stellen: „Wo kann ich mich für einen anderen klein machen?“

Frage: „Findest Du demütige Menschen attraktiv oder irritiert es Dich viel eher?“ „Glaubst Du, man kann mit Demut wirklich erfolgreich sein?“

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2 responses to “Mit Demut leiten – Lernen von Nelson Mandela”

  1. Simone Sommer says :

    Ich finde Demut und ernsthaft demütige Menschen aus den von dir genannten Gründen sehr attraktiv. Und ich glaube, dass Demut ein Grundbegriff wahrhaft gelebten Christentums ist. Das Bewusstsein der eigenen Würde und daraus resultierend die Erkenntnis, dass ich mehr für andere und weniger um meiner selbst willen kämpfen muss und sollte.
    Gleichzeitig finde ich diese Menschen immer wieder aufs Neue (heilsam) irritierend. Auch Papst Franziskus gehört für mich dazu. Er kümmert sich wenig darum, was das Protokoll vorschreibt und handelt nach seinem Gewissen. Und gerade weil er (auf friedliche Weise) so manche Regel bricht und vielen Skeptikern ein Dorn im Auge ist, denke ich, hat er die Möglichkeit, wirklich etwas zu ändern.
    Meine anderen Gedanken führen hier schon zu weit, z. B. ob und wie es möglich ist, demütig aktiven Widerstand auszuüben und ggf. Gewalt zu rechtfertigen (s. Bonhoeffer, der m. E. einerseits bis zum Schluss äußerst demütig war, aber andererseits auch die gewaltsame Beseitigung der Naziführer befürwortete).
    Zurück zum Kernthema:
    Ich glaube, dass man mit Demut äußerst erfolgreich sein kann, wenn man sich bewusst ist, dass auch diese Art der Stärke sowohl Bewunderer wie auch Neider/Feinde hervorruft und entsprechend damit umgehen kann.

    • Malte says :

      Danke! Ich finde Deine Spur über Bonhoeffer und Demut sehr spannend. Und ich würde Dir zustimmen, wenn ich dich richig verstehe. Von Bonhoeffer oder auch Mandela, kann man lernen, dass Demut auch einmal bedeuten kann, jemandem bewusst zu widersprechen oder „dem Rad in die Speichen zu fallen“. Denn „mich für einen anderen klein machen“ ist manchmal eben nicht, ihm oder ihr rechtzugeben, sondern ihr zu wiedersprechen, wenn ich weiß, dass es das Richtige ist.

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