Predigen ganz ohne Manuskript – Die Loci-Methode

Abgelesene Predigten wirken oftmals langweilig und unpersönlich. Warum also nicht einmal ganz auf ein Manuskript verzichten? Aber muss das nicht automatisch in einem Chaos münden? Ich denke nicht. Die Loci-Methode zeigt, wie das bei Dir funktionieren kann.

© luigi diamanti / FreeDigitalPhotos.net

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Meine erste Begegnung mit der Loci-Methode hatte ich in meiner Examensvorbereitung. Mein Mitbewohner und ich mussten uns einen gewaltigen Stoffumfang merken. Grundsätzlich konnte ich mir bisher die Dinge deutlich besser merken als mein Mitbewohner. Doch dann schwenkte mein Mitbewohner eines Tages um.

Er eignete sich die Loci-Methode an. Und er fing an mich von Woche zu Woche hinsichtlich des Lernens von Detailwissen auszuperformen. Besonders in der Bibelkunde war er am Ende deutlich besser als ich. Das hat mich beeindruckt… und ist mir in bleibender Erinnerung geblieben.

Da kam mir der Gedanke: Wenn diese Merk-Methode so effizient ist, warum soll ich sie dann nicht einmal auch in einer Predigt ausprobieren? Und das habe ich in der letzten Zeit nun zwei Mal getan.

Was ist die Loci-Methode?

Aber halt. Was ist eigentlich die Loci-Methode, von der ich bisher so selbstverständlich geredet habe? Die Loci-Methode hilft dabei, sich Dinge besser merken zu können. Dahinter steht das lateinische Wort Locus, was so viel bedeutet wie Platz oder Ort. Die Idee ist nun ganz einfach: Ich ordne die abstrakten Inhalte über Eselsbrücken bestimmten Orten zu. Dadurch entstehen in meinem Kopf Bilder. Und diese lassen sich nun einmal viel besser merken als abstrakte Inhalte. Und je schräger sie sind, desto besser.

Ich bin kein Experte auf dem Gebiet. Mein Grundwissen habe ich mir auf dieser Seite angelesen. Dazu braucht es nur wenige Minuten.

Wie bereite ich nun eine Loci-Predigt vor?

Der größte Teil der Vorbereitung ist hier identisch mit einer „normalen“ ausformulierten Predigt. Für mich heißt das: Eine persönliche Textmeditation, eine sachliche Exegese und das Zusammendenken von Text und Lebenswirklichkeit. Im Anschluss erstelle ich eine Gliederung.

Und nun beginnt sich das Verfahren ein wenig zu unterscheiden. Vor mir liegt nun eine vergleichsweise feine Gliederung, die aus etwa 10 Überschriften besteht. Unter jeder Überschrift fasse ich nun den zugehörigen Inhalt sehr prägnant zusammen. Ich beschränke mich so auf 3-4 Sätze. Darunter kommt noch der Loci, der diesem Gliederungspunkt zugeordnet wird. Und natürlich die Eselsbrücke nicht vergessen.

Eine Loci-Predigt als Beispiel

Beispiel gefälligst? Am Reformationstag habe ich eine Andacht zum Thema „Gesetz und Evangelium“ gestaltet. Als Loci habe ich in meinem Kopf das Inventar der Kirche verwendet. In der Reihenfolge von links nach rechts. Die Loci waren: Tabernakel, Klavier, Holzbank, Empore, Orgel, Eingangstür, Sitzreihe, Taufbecken, Lesepult, Altar. Der erste Teil meines „Manuskriptes“, das natürlich zu Hause bleiben musste, sah so aus.

Einstieg: Reformationstag

Inhalt: Der Anlass dieser Andacht ist der Reformationstag. Mit dem Reformationstag wird meistens verbunden: Luthers Thesenanschlag oder Luthers Bibelübersetzung. Heute jedoch ein anderes, auch wichtiges Thema: Gesetz und Evangelium.

Loci: Tabernakel

Eselsbrücke: Beim Tabernakel geht es ums Abendmahl. Das war eben auch ein wichtiges Thema für Luther. Zusätzlich stelle ich mir vor, wie Luther mit einer Bibel aus dem Tabernakel gesprungen kommt, wenn ich es öffne.

Mein Zwischenfazit nach zwei Predigten mit der Loci-Methode:

  • Ein Freund gab mir folgende Rückmeldung: „Du gewinnst deutlich an Nähe zu den Menschen und verlierst aber an inhaltlicher Tiefe, da Du nicht so auf den Punkt formulierst.“ Da ist wohl was dran.
  • Eine Predigt so vorzubereiten ist keine Methode um Zeit zu sparen. Denn: Ich kann nur das frei formulieren, was ich für mich vorher auch gründlich durchdacht und klar bekommen habe.
  • Ein weiterer Vorteil ist, dass ich die Predigt am Reformationstag auch drei Wochenspäter noch vollständig auswendig in meinem Kopf habe. Vielleicht wird mir das später einmal was nützen.
  • Ich finde die Methode besonders für kürzere Andachten mit einer Länge von 5-10 Minuten geeignet.

Ich finde diese Methode spannend und habe Lust, damit weiter zu experimentieren: Du auch? Die Methode wird wohl nicht vollständig mein Manuskript ersetzen, aber sie kommt hinein in meinen homiletischen Methodenkoffer, neben Mindmaps, Stichpunkten und ausformulierten Manuskripten.

Frage: Was sind Deine Erfahrungen mit der Loci-Methode? Hast Du Lust, mit ihr zu experimentieren? Wenn Nein, warum nicht? Was hilft Dir, um „frei“ zu predigen?

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