Ist der Strengthsfinder 2.0 eine echte Alternative zum Gabentest von DIENST?

Die Prinzipien des DIENST-Programmes stehen für einen echten Paradigmenwechsel in der Gemeinde. Das alte Paradigma sah so aus: Erst wurden Aufgaben festgelegt, die in der Gemeinde zu erledigen waren, dann die dazu passenden Mitarbeiter gesucht.  DIENST denkt hier ganz anders. Hier kommt erst der Mensch, dann die Aufgabe. Das neue Paradigma lautet: Wir schauen erst auf die Menschen und entwickeln dann zu ihnen passende Aufgaben.

© Stuart Miles / FreeDigitalPhotos.net

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Der wohl bekannteste Teil dieses Weges vom Menschen zur Aufgabe ist bei DIENST der sogenannte „Gabentest“. Dieser hat aber auch echte Schwächen. Könnte deshalb der Strengthsfinder 2.0 die bessere Alternative sein?

Die Schwächen des „Gabentestes“ von DIENST

Der Gabentest von DIENST kennt 23 Gaben, von denen ein Fragebogen (in Kombination mit einigen Fremdeinschätzungen) die drei am stärksten ausgeprägten Gaben eines Teilnehmers ermittelt. Diese Liste von 23 Gaben wird von dem DIENST-Herausgeberteam aus der Bibel hergeleitet. Schnell wird aber klar, dass diese Gabenliste mitunter sehr konstruiert wirkt.

Besonders deutlich wird das an der Gabe der Gastfreundschaft. Gastfreundschaft sei „die von Gott gegebene Fähigkeit, für andere Menschen zu sorgen und ihnen Freundschaft anzubieten“. Wie wird die Gabe der Gastfreundschaft nun aber biblisch hergeleitet? Die genannten Bibelstellen sind  1Petr 6,9-10; Röm 12,13 und Hebr 13,1-2. Beim Lesen dieser Stellen wird schnell klar: Hier wird die ganze Gemeinde zur Gastfreundschaft aufgefordert. Daraus nun aber eine besondere Gabe der Gastfreundschaft für einzelne Christen abzuleiten, wirkt dann doch etwas konstruiert.

DIENST will biblisch sein, nimmt die Bibel aber an dieser Stelle eigentlich gar nicht ernst. Schauen wir uns das Neue Testament genau an, so stellen wir fest, dass Paulus in seinen „Gabenlisten“ in jedem Brief andere Gaben aufzählt. Offensichtlich erhebt keine seiner Listen also den Anspruch auf Vollständigkeit. Das sollten wir nun aber ernst nehmen. Menschen in unseren Gemeinden können also auch Gaben und Stärken haben, von denen wir in der Bibel nichts lesen.

Der Heilige Geist gebraucht menschliche Stärken. Da der DIENST-Gabentest aber nur „biblische Gaben“ berücksichtigt, hat er eine eingeschränkte Sichtweise auf in der Gemeinde vorhandene Stärken. So sind zum Beispiel die meisten Gaben der DIENST-Gabenliste doch recht theologisch, inhaltlich und tendenziell kopflastig. Mit  Vorfreude hielt ich deshalb den Strengthsfinder 2.0 in der Hand und fragte mich: Könnte man diesen womöglich anstelle des DIENST-Gabentestes verwenden?

Strengthsfinder 2.0 vorgestellt

Der Strengthsfinder 2.0 wurde von einem Team des berühmten Gallup-Institutes entwickelt. Über 10 Millionen Menschen haben die erste Version diese Tests mitgemacht und auf diesem Weg ihre 5 ausgeprägtesten Stärken ermittelt. Insgesamt liegen dem Test 34 Stärken zugrunde. Stärken sind zum Beispiel „Achiever“, „Strategic“ oder „Consistency“. Manch einer hat ein Talent, sich fokussieren zu können, ein andere kann Menschen gut einbeziehen und ein dritter lernt gerne. Der Test ermittelt weniger vorhandene Fähigkeiten, die man zum Beispiel durch eine Ausbildung gelernt hat, sondern natürliche Talente. Die Frage ist also: Was können wir von Natur aus gut?

Wer sich die Liste der 34 Stärken anschaut, stellt schnell fest: Die Stärken sind also alle bewusst „unkonkret“ gehalten. Es geht mehr um das Talent hinter einer bestimmten Tätigkeit. Also „Leitung“ ist hier keine Stärke, wohl aber das strategische Denken. Das kann sich dann in einer Leitungstätigkeit realisieren, muss es aber nicht.

Insgesamt finde ich den Test von Strengthsfinder 2.0 durchaus aufschlussreich und weiterbringend, wäre aber unsicher, ob es für die Gemeindearbeit nicht zu unkonkret bleibt. Aber vielleicht ist auch genau das die Stärke?

Ich will in Zukunft noch gerne mehr mit dem Strengthsfinder 2.0 experimentieren und beobachten, ob er auch anderen beim Finden einer Tätigkeit in der Gemeinde hilft. Bis dahin würde ich beim alten DIENST-Gabentest bleiben.

Frage: Wie hilfreich hast Du einen Gabentest, wie den von DIENST, empfunden? Hast Du bereits Erfahrungen mit Strengthsfinder 2.0 gemacht? Hinterlasse dazu gerne unten einen Kommentar!

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10 responses to “Ist der Strengthsfinder 2.0 eine echte Alternative zum Gabentest von DIENST?”

  1. Markus says :

    Ich fand den DIENST Gabentest total gut, weil es einem natürlich gut tut zu sehen, dass man „begabt“ ist und so weiter… Ich kann mir aber auch vorstellen, dass dies bei Leuten, deren Gaben eben nicht so gut in das DIENST Raster passen nicht so ist. Wo bleibt denn der Typ, der total geile Videoclips für den Gottesdienst macht und da voll die Leidenschaft für hat? Handwerkliches Geschick? Deshalb hört sich der Strengthsfinder echt interessant an! Was hat denn das „berühmte“ Gallup Institut schon herausgebracht, das ich kennen müsste? Nur um das mal so einzuordnen…
    Auf jeden Fall super Tip Malte! Danke.

  2. Malte says :

    Mir ging das ähnlich! Ich habe von dem DIENST-Gabentest persönlich auch sehr profitiert. Aber ich kann mir halt auch sehr gut vorstellen, dass da Leute aus dem Raster fallen. Gallup muss man nicht unbedingt kennen. Ist ein großes Meinungsforschungsinstitut aus den USA.

  3. Daniel says :

    Moin,
    Meines Erachtens werden die Ergebnisse von DIENST erheblich besser, wenn man nicht allein den Gabentest beachtet. Es ist vorgesehen, dass die Teilnehmer eines Dienst-Seminars einen Dreischritt machen: 1 Neigungstest. (Was machst du gern?) 2 Der Gabentest (der angesprochenen Kritik stimme ich zu) 3 Persönlichkeitsprofil nach Persolog DISG.
    Häufig sind zumindest zwei der drei Komponenten aufschlussreich, so dass am Ende ein hilfreiches Ergebnis erzielt werden kann.

    Mein Tipp: Berabeitet den kompletten Dreischritt und geht anschließend kreativ und flexibel mit den Ergebnissen um. DIENST hat sicher seine Schwächen, trotzdem hilft es über wesentliche Fragen der Mitarbeit ins Gespräch zu kommen und das Potential der Gemeinde besser zu nutzen.

  4. Jonathan Richter says :

    Zum Thema Gaben empfehle ich den Kurs „Ich bin dabei“, das ist ein Gabenseminar incl. Gabentest, das in Anlehung an DIENST und ähnliche Tests von Silke Obenauer vom AMD Baden entwickelt wurde. Hier werden nicht nur biblish vorgegene Gaben abgefragt, sondern eben auch technische und handwerkliche. Außerdem gewinnt das Thema Leidenschaft eine große Bedeutung. Hab ich als Gemeindeprojekt mit meiner Vikariatsgemeinde durchgeführt – lohnt sich.

  5. drs Chris C.G.M.'t Mannetje says :

    Am Fachhochschule für Theologie und Religion in Utrecht (NL) benutze ich seit Jahren ALBERT L.WINSEMAN, DONALD O. CLIFTON and CURT LIESVELD, „Living your strengths,“ mit ein Abteilung mit biblischen Stellen „Identifying and Affirming your Talents“ und ein praktische Abteilung „Using your Talents for Growth and Service“. Viele von meine Studenten haben viel Erfolg gemeldet über wie wertvoll diese Texte für sie sind.
    Drs. Chris C.G.M.’t Mannetje

  6. Olaf Giersch says :

    Ich staune, dass hier nicht der Gabentest von Ch.Schwarz zur Sprache kommt: er ist meines Erachtens hilfreicher als D.I.E.N.S.T. . (Die anderen Gabenteste kenne ich nicht.) Wer sich damit befassen will: „Die 3 Farben Deiner Gaben –
    Wie jeder Christ seine Gaben entdecken und entfalten kann.“ (http://3colorworld.org/de/books/ministry)
    Man muss das (Teilnehmer-)Buch erwerben und bekommt mit diesem einen Code, mit dessen Hilfe der Gabentest online absolviert werden kann.
    Am meisten hat mich gefreut, dass man am Schluss das persönliche Ergebnis als pdf-Dokument erhält. Klasse!

  7. Ralph M. Rickenbach says :

    Ich stimme dem Artikel zu, dass die Gabentests, die ich kenne, die Bibel an gewissen Stellen nicht sehr ernst nehmen.

    Die Bibel unterscheidet

    Geistesgaben, welche grundsätzlich jedem zur Verfügung stehen. Dabei wird eine oder zwei eventuell ausgeprägter vorkommen, was aber eher mit der Gemeinde und der Lehre zu tun hat, weil der Geist wirkt wie und durch wen er will.

    Allgemeine Gaben à la Römer 12, 1 Korinther 12. Diese Gaben kommen eher einzeln zum Zug, vielleicht in einer Kombination. Über die Gemeinde gesehen werden wohl alle vorkommen.

    Die Gaben Jesu oder Ämter. Diese werden nicht allen Christen gegeben, sondern einigen.

    Ein einzelner Christ wird in allen Geistesgaben fliessen können, allgemeine Gaben haben, welche als Talente anfangen und über die Zeit bei entsprechender Pflege reifen, und gegebenenfalls in einem (ev. 2) Ämter laufen.

    Aus der Gesamtmenge die drei Stärksten herauszupicken, ist demnach nicht biblisch.

    Die Gefahr ist auch, dass jemand, der keine Geistesgabe in den Top-3 hat, sich nicht mehr danach ausstreckt, denn er hat ja seine Gaben.

    Beim StrengthsFinder geht es eher um Motivationen und Herangehensweisen. Die einzelnen Stärken sagen einem halt nicht so direkt: ah, ich bin ein Leiter. Sie zeigen einem, wie man eine Aufgabe angeht.

    Ein Leiter mit den Stärken Einzelwahrnehmung und Entwickler wird den Einzelnen individuell fördern, während ein Leiter mit Arrangeur und Tatkraft andere motivieren und richtig einsetzen kann. Ein Leiter mit Strategie und Vorstellungskraft kann wohl eher Visionen und Pläne erstellen und braucht Unterstützung bei der Umsetzung.

    Ein Musiker mit Wissbegier wird viel über Musik lernen, während ein Pastor mit Wissbegier den Menschen als Lernstoff betrachtet.

    Wenn jemand allerdings, wie ich, Empathie an 34 und letzter Stelle hat, wird er nie! eine Selbsthilfegruppe leiten, kann aber durchaus Seelsorge machen. Z.B. mit Einzelwahrnehmung, Harmoniestreben, aber auch mit Strategie (Lösungen aufzeigen). Grundsätzlich ist nichts unmöglich, aber eventuell weniger wahrscheinlich.

    Wo meine Begabung/Berufung liegt, wird mir Gott aufzeigen. Oft durch andere Menschen, oft auch dadurch, dass ich Dinge ausprobiere. Auch meine natürlichen Neigungen sind durchaus ernst zu nehmen. Wie ich die Berufung umsetze: da kann mir der StrengthsFinder helfen.

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