Wie entscheiden wir, was wir tun und was wir lassen sollen?

Egal ob Firma, Kirchengemeinde oder ich ganz persönlich. Es bieten sich jeden Tag wieder so viele neue Möglichkeiten. Da ist es schwer zu entscheiden, was wir tun oder lassen sollen. Doch Jim Collins bietet mit seinem Igel-Prinzip einen hoch interessanten Ausweg an.

©  David Castillo Dominici / FreeDigitalPhotos.net

© David Castillo Dominici / FreeDigitalPhotos.net

Jim Collins entwickelt das Igel-Prinzip in seinem Buch „Good to Great“. Es ist in meinen Augen eines der besten Leitungsbücher überhaupt. Dem Buch liegt eine Studie zu Grunde. Collins untersuchte den Unterschied von mittelmäßig guten und hoch erfolgreichen Unternehmen. Ein wesentlicher Unterschied liegt nach Collins in der Anwendung des Igel-Prinzips.

Was ist das Igel-Prinzip?

Jim Collins beschreibt das so. Stell Dir einen Igel und einen Fuchs vor. Eigentlich ist der Fuchs das überlegenere Tier. In so gut wie jeder Hinsicht. Der Fuchs ist schneller. Er ist stärker und zu guter Letzt auch noch schöner als der Igel.

Dennoch kann der Fuchs dem Igel eigentlich nichts anhaben, denn kaum wittert der Igel Gefahr, igelt er sich sein. Überall nur Stachel. Damit ist er quasi unverwundbar. Der Punkt ist: Der Igel kann nur eine Sache richtig gut – und genau das ist der Schlüssel zu seiner Stärke.

Die hoch erfolgreichen Unternehmen, die Collins in seiner Studie untersucht hat, agierten nach dem Igel-Prinzip. Sie waren erfolgreich, weil sie sich auf die eine Sache stark fokussiert haben. Aber wie findet man heraus, was das eigene Igel-Prinzip ist?

Das Igel-Prinzip ist die Schnittmenge dreier Kreise

Um das eigene Igel-Konzept zu identifizieren, stelle man sich drei Kreise vor, die sich in der Mitte überschneiden. Diese Schnittmenge ist die eine Sache, auf die sich die erfolgreichen Unternehmen konzentrieren. Schauen wir uns die Kreise einmal näher an.

Eigene Darstellung nach Jim Collins

Eigene Darstellung nach Jim Collins

1) Der erste Kreis stellt die Frage: „Worin können wir die Besten der Welt sein?“ Es geht um das Können des Unternehmens.

Dennoch liegt der Schlüssel im Detail. Zum einen: Die Frage lautet nicht: „Worin wären wir gerne die Besten der Welt?“ Das wäre dann nur ein Wunschtraum!

Zum anderen: Die Frage lautet ebenfalls nicht: „Worin sind wir schon die Besten der Welt?“ – Nein. Hier geht es um Potential und nicht um das, was schon ist.

Und schließlich drittens: Es geht um das Beste, nicht darum, worin wir ganz gut sind. Wer sich auf das konzentriert, worin er „ganz gut“ ist, der bleibt eben nur „ganz gut“.

2) Der zweite Kreis stellt die Frage: „Wofür schlägt unser Herz?“ Hier geht es um die Leidenschaft der Mitarbeiter.

Auch hier achte man wieder auf die Feinheiten. Die Frage lautet nicht: „Wofür sollte unser Herz schlagen?“ Es geht nicht darum, die Mitarbeiter für etwas Neues zu motivieren, sondern zu schauen, wofür ihr Herz bereits schlägt.

Auf den Punkt gebracht. Der Gedanke ist nicht: Nicht: Wir sollten Leidenschaft für das entwickeln, was wir tun. Sondern: Wir sollten tun, wofür wir bereits Leidenschaft haben.

3) Der dritte Kreis stellt die Frage: „Was ist unser wirtschaftlicher Motor?“ Hier geht es nun darum, den Schlüsselfaktor zu ermitteln, mit dem wir Geld verdienen.

Die Schnittmenge der drei Kreise ist unser Igel-Prinzip. Das ist das eine Ding, welches wir tun sollten. Und im Umkehrschluss: Alles was nicht in unser Igel-Konzept passt, sollten wir auch lassen.

Jetzt mag einer einwenden: „Wir tun momentan aber etwas ganz anderes! Unser Kerngeschäft liegt weit außerhalb unseres Igel-Konzeptes.“ Collins gibt darauf diese Antwort: Dann ändert halt euer Kerngeschäft. Das ist die einzige Chance von einem „ganz guten“ zu einem großartigen Unternehmen zu werden.

Kann man das Igel-Prinzip auch als Kirche nutzen?

Ich denke, dass sich das Igel-Prinzip auch auf Kirchengemeinden übertragen ließe. Man müsste es sicherlich ein wenig modifizieren. Vielleicht ja so:

Igel II

1) „Worin können wir die Besten in unserem Ort sein?“ (Können)

2) „Wofür schlägt unser Herz?“ (Leidenschaft)

3) „Was brauchen die Menschen vor Ort?“  (Kontext)

Zurück zu unserer Ausgangsfrage: „Wie können wir entscheiden, was wir tun oder lassen sollen?“ Jim Collins würde antworten: Tut, was zu eurem Igel-Konzept passt und lasst alles andere bleiben!

Als Kirchengemeinde können wir das dann hinsichtlich folgender Aspekte durchspielen:

  • Personal: Passt unser jetziges Personal zu unserm Igel? Wen müssen wir deshalb in Zukunft einstellen?
  • Gebäude: Welche Gebäude brauchen wir wirklich, um unser Igel-Konzept zu verwirklichen?
  • Programme: Welche Aktivitäten entsprechen unserem Igel-Konzept und welche nicht?

Je mehr ich von Jim Collins lese, desto mehr habe ich Lust, dass einmal praktisch auszuprobieren.

Vielleicht noch ein ermutigender Gedanke zum Schluss: Nach Collins brauchten die Unternehmen in seiner Studie im Durchschnitt etwa vier Jahre, um ihr Igel-Konzept zu erstellen. Es muss also nicht von heute auf morgen gehen. Wir dürfen gründlich sein und uns Zeit lassen.

Frage: Welche der drei Fragen ist für Dich am schwierigsten zu beantworten? Wie würdest Du ganz praktisch vorgehen, um diese Fragen in eurer Gemeinde/Organisation zu beantworten? Wie sähe also Dein Weg zur Implementierung aus? Ich freue mich über einen Kommentar!

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