Vielleicht predigst Du gut, aber predigst Du auch nachhaltig?

Da man so viel Zeit in Predigtvorbereitungen investiert, wäre es doch großartig, wenn eine Predigt noch lange Köpfe und Herzen verändert. Predigen mit Langzeitfolgen! Aber wie kann das gehen?

 © mondzart-hohenlohe/ PIXELIO’

© mondzart-hohenlohe/ PIXELIO’

Nachhaltigkeit ist ja seit geraumer Zeit ein Modewort geworden. Zumindest war es im Erkunde-Unterricht früher auf jede Frage immer die richtige Antwort.

Aber einmal im Ernst. Irgendwie ist es doch zum Haare-Raufen, dass der Effekt einer Predigt oft so schnell verpufft. Am Ausgang wissen viele schon nicht mehr, was heute eigentlich der Predigt-Text war. Viele Prediger haben ein Nachhaltigkeitsproblem.

Was unterscheidet einen guten von einem großartigen Prediger?

Ich bin letztens auf das folgende Zitat von Mark Sanborn gestoßen, das uns vielleicht bei der Lösung unseres Problems weiterhelfen könnte. Er schreibt über Lehrer:

An average teacher teaches a subject, a good teacher teaches students how to learn but a great teacher teaches students to love learning.

Übersetzt und ein wenig strukturiert heißt das:

  1. Ein durchschnittlicher Lehrer vermittelt ein Thema.
  2. Ein guter Lehrer zeigt den Schülern wie man lernt.
  3. Ein großartiger Lehrer vermittelt die Liebe zum Lernen.

Beim Lesen dachte ich mir: Vielleicht ließe sich diese Formel auch auf das Predigen übertragen – in etwa so:

  1. Ein durchschnittlicher Prediger legt einen Bibeltext aus.
  2. ein guter Prediger zeigt, wie man die Bibel liest und versteht.
  3. Ein großartiger Prediger vermittelt die Liebe zum Bibellesen.

Ich denke, die Nachhaltigkeit einer Predigt hängt ganz entscheidend an der Frage, ob sie die Menschen zum eigenen Bibellesen führt. Dann wäre es mein Ziel als Prediger mich ein Stück weit überflüssig zu machen, indem ich die Menschen selbst zu der Quelle führe, von der ich predige.

Wie kann das ganz praktisch aussehen?

Ganz praktisch stellt sich nun die Frage: Wie kann das gelingen? Wie kann ich in einer Predigt die Liebe zum Bibellesen entfachen? Ich bin mir da nicht sicher, aber in die folgende Richtung würde ich denken:

1)      Die Grundregel der Authentizität: Man merkt es mir an, ob ich als Prediger selbst eine Liebe zum Bibellesen habe. Deshalb: Was kann ich tun, um mir diese Liebe zu erhalten?

2)      Praktisch vormachen: Warum nicht einmal in einer Predigt selbst eine Übung zum Bibellesen einbauen?

3)      Schwärmen: Ich spreche mit Liebe über den Text. Ich schwärme wie eine frischverliebte Frau über einen Mann.

4)      Manches bewusst offen lassen: Vielleicht kann ich eine Predigt an der einen oder anderen Stelle bewusst offen lassen und Fragen mit nach auf den Weg nach Hause geben. Das treibt womöglich auch zu Hause in die Bibel.

5)      Zeigen, wo die Bibel einen Unterschied macht: Ich zeige beispielhaft in einer Predigt auf, wo die Bibel in unserem Leben einen Unterschied macht und das ganz alltägliche Leben verändert.

Nachhaltiges Predigen macht sich insofern überflüssig, als es die Menschen zur geistlichen Selbstversorgung anleitet. Es entfacht Liebe zum Bibellesen. Sicherlich ist Bibellesen nicht das durststillende Wasser selbst. Das ist Christus. Aber Bibellesen ist so etwas wie die Oase, wo wir dürstenden Wanderer Wasser finden.

Frage: Würdest Du das Zitat von Sanborn in einer anderen Art und Weise auf das Predigen übertragen? Was für eine Predigt löst bei Dir eine Liebe zum Bibellesen aus? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir!

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5 responses to “Vielleicht predigst Du gut, aber predigst Du auch nachhaltig?”

  1. Ulf Fiebrandt says :

    Moin Malte,
    danke mal wieder für den Blogeintrag, welchen ich gleich in die JK Kisdorf Gruppe posten werde. Mir fehlt in Deiner Übertragung im Punkt drei der Aspekt des Tuns (Übertragung der Erkenntnisse aus dem Bibellesen in das persönliche Leben und Handeln). Denn Bibellesen und das Verstehen dieser Gottesquelle ist sehr wichtig, aber manchmal bleibt das nur im Kopf und wird nicht zum Handlungsauslöser. Jesus hat das in dieser überragenden Weise ja gelebt und eben nicht nur geniale Predigten gehalten, sondern sich den Menschen intensiv zugewandt und in den Beziehunegn wirkliich gehandelt. LG Fiebi

  2. maltedetje says :

    Guter Punkt! Wir wollen ja nicht nur Hörer, sondern auch Täter des Wortes sein. Überzeugt.

  3. Katha says :

    Hi Malte,

    das erinnert mich spontan an das Zitat „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“

    Wenn die Liebe zur Schrift – und die Liebe zum Herrn – vom Kopf ins Herz rutscht, wird das Lesen der Bibel zur Notwendigkeit.

    Ich denke – mal ganz vereinfacht gesagt (als jemand der noch nie gepredigt hat und auch nicht die Absicht hat, das zu tun) – wenn Du Lust machst auf mehr – also Bibelstellen erwähnst, sozusagen als sekundäre Häppchen zur eigentlich Stelle …. macht das ganz schön neugierig 😉

    Liebe Grüße
    Katha

    PS: Mein dicker Dank gilt allen, die sich die Zeit nehmen, die Bibel auszulegen und darüber zu predigen.

    • Malte says :

      Das Zitat mit der Sehnsucht nach dem Meer finde ich klasse! Mit den Sekundärstellen habe ich manchmal Angst, die Leute dann zu viel zu verwirren. Aber Du machst Mut, dass einmal häufiger zu tun! 🙂

      • Katha says :

        Ich fänds toll!!

        Ich vermute, es gibt mehrere Katagorien von Zuhörern: Die Neugierigen, die mehr und mehr wissen wollen, die reinen Konsumenten, die die Predigt anhören, sich einzelne Punkte rauspicken und damit zufrieden sind und die, die während der Predigt eh an was anderes denken 😉

        Du kannst es nie allen recht machen. Die, die eher intellektuell unterwegs sind, werden nach einer „Michsuppe-Predigt“ nicht zufrieden sein und sich woanders Schwarzbrot suchen (müssen – um nicht zu verhungern).
        Und die, für die Schwarzbrot (noch) zu hart ist, können selbiges auch nicht schlucken.

        Eine Predigt, die es allen recht machen will, wird am Ende für keinen gut genug sein.

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