Hast Du den Mut, Dir diese Frage zu stellen?

Oftmals gibt es an uns dieses eine Ding, welches uns und unseren Mitmenschen das Leben so viel schwerer macht. Weißt Du, wovon ich rede? Nein? Dann stelle ich Dir die Frage: Hast Du den Mut dem nachzugehen?

© graur codrin / FreeDigitalPhotos.net

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Die zündende Idee kam mir während eines Gespräches mit einem Freund. Er regte sich sehr über den Pastor in seiner Gemeinde auf. Dieser Pastor hatte eine bestimmte Verhaltensweise, mit der er zahlreiche Gemeindeglieder an den Rand der Verzweiflung brachte. Mein Freund war total frustriert. So gut wie jeder in der Gemeinde schien um diese schädliche Verhaltensweise zu wissen…nur der Pastor selbst nicht. Irgendwann habe ich meinen Freund gefragt: „Hast Du mit ihm mal darüber geredet?“ Die Antwort: „Nein. Und das ist auch gar nicht so einfach.“

Auf dem Weg nach Hause schlich sich dann ein Gedanke in meinen Kopf ein. Was ist, wenn es mit mir auch so ist? Vielleicht reden andere in meiner Abwesenheit auch so über mich. Gibt es da womöglich eine bestimmte Verhaltensweise, die andere massiv stört, ich aber nicht wahrnehme? Offensichtlich sehen andere Menschen eine solche Schwäche viel deutlicher als ich selbst. Offensichtlich wusste Jesus das auch schon, wenn er sagte:

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? (Mt 7,3)

Deshalb fasste ich den Entschluss mir und anderen ganz konkret diese Frage zu stellen: Wo habe ich eine Schwäche, mit der ich mir selbst und anderen im Wege stehe?

Es geht nur um „störende Schwächen“

Natürlich gilt dennoch der Grundsatz der Stärkeorientierung (ich habe hier darüber geschrieben). Das heißt: Ich arbeite primär an meinen Stärken, nicht an meinen Schwächen. Es gibt aber diese Ausnahme. Dabei handelt es sich um die „störenden Schwächen“, die mich an der Entfaltung meiner Stärken hindern. Es handelt sich um die Schwächen, die andere stören und belasten, wenn sie mit mir zusammenarbeiten.

Vielleicht ist das für Dich noch reichlich unkonkret. Hier sind ein paar Beispiele für solche „störenden Schwächen“:

  • Michael rastet regelmäßig aus und fängt an herumzuschreien, wenn jemand anderes einen Fehler macht. Deshalb wagt unter seiner Leitung vor lauter Angst keiner mehr etwas Neues.
  • Johanna spricht das, was sie stört, nicht an, sondern redet immer mit Dritten darüber. Das zerstört langfristig Vertrauen.
  • Peter hat so gut wie immer über 80% Redeanteil. Innerlich schalten viele ab, wenn sie sich mit ihm unterhalten.
  • Diana hält sich nicht an Vereinbarungen. Sie sagt zwar oft Ja, aber man kann sich nicht darauf verlassen. Sie bekommt deshalb kaum mehr Verantwortung übertragen.
  • Pastor Meier hat weder eine Begabung noch eine Leidenschaft für Leitungsfragen, will aber trotzdem überall mitmischen und das letzte Wort haben. Ist ihm diese Schizophrenie nicht bewusst?

Wie kann man nun ganz praktisch seine „störenden Schwächen“ herausfinden?

Für mich ging es nun daran, meine „störenden Schwächen“ zu ermitteln. Hier führen sicherlich viele Wege nach Rom. Aber ich habe es so gemacht:

  1. Feedbackkasten einrichten: Ich habe auf www.suggestionox.com einen digitalen Feedbackkasten eingerichtet. Hier können mir Menschen anonym Rückmeldung geben.
  2. Menschen auswählen:  Nun habe ich mir Menschen überlegt, von denen ich mir eine konstruktive und ehrliche Rückmeldung über meine „störenden Schwächen“ erhoffe. Bei einer solchen Auswahl muss man wohl vorsichtig sein.
    • Es sollte sich um vertrauenswürdige Menschen handeln
    • Es sollten Menschen sein, die mir auch wirklich helfen und mir nicht nur eine Retourkutsche verpassen wollen.
    • Die Anzahl sollte begrenzt sein. Eine Rückmeldung von 10 Menschen reicht aus.
  3. Mail schreiben: In einem nächsten Schritt habe ich diese Personen angeschrieben und um ihre Mithilfe gebeten. In der Mail befand sich:
    • die Aufgabenstellung (Gib bitte mit 1), 2) und 3) meine Top 3 Schwächen an. Fass Dich dabei bitte kurz und beschreibe sie so pointiert wie möglich),
    • der Link zur digitalen Feedbackbox,
    • ein Hinweis auf die Anonymität des Verfahrens,
    • eine kurze Erklärung, was ich unter einer „störenden Schwäche“ verstehe und
    • ein Datum (ca. 2 Wochen) bis zu dem ich mir eine Rückmeldung erhoffe.
  4. Abwarten
  5. Auswerten: Nachdem ich die Rückmeldung erhalten habe, suchte ich in den Feedbacks nach wiederkehrenden Mustern. So konnte ich eine Liste mit den Top 3 „störenden Schwächen“ erstellen, die am häufigsten genannt wurden.
  6. Schritte gehen: Nun gilt es praktische Schritte zu gehen, um vielleicht erst einmal nur gegen die Top 1 Schwäche vorzugehen. Ich ahne bereites: Das ist sicherlich eine Lebensaufgabe!

Hast Du den Mut, Dir diese Frage zu stellen? Zugegeben, das ist wohl ein nicht einfacher und schmerzhafter Prozess, aber er führt zu Wachstum. Und sagte nicht schon Jesus:

Die Wahrheit wird euch freimachen. (Joh 8,32)

Frage: Kennst Du deine größten Schwächen, mit der Du Dir selbst im Wege stehst? Hast Du Dich schon einmal einem solchen Prozess ausgesetzt? Wie war das? Wem würdest Du ganz dringend empfehlen, sich diese Frage einmal zu stellen? Kennst Du weitere Beispiele für störende Schwächen? Ich würde mich sehr über einen Kommentar von Dir freuen!

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4 responses to “Hast Du den Mut, Dir diese Frage zu stellen?”

  1. Simone Sommer says :

    Eine störende Schwäche, deren Ansätze ich bei mir mühsam ausgemerzt habe, die mir aber im Gemeindealltag immer noch viel zu oft begegnet:
    „Aus einer Mücke einen Elefanten machen.“
    Praktisch: Person A macht etwas, womit Person B nicht zufrieden ist. Anstatt nun zu sagen „Mir gefällt diese eine Sache so nicht“, wird anhand dieses einen (meist banalen) Zerwürfnisses ein Fass all jener Sachen aufgemacht, die (angeblich) schon genau so gelaufen sind.
    Häufig werden hier auch Konflikte wieder ausgegraben, die eigentlich bereits als geklärt galten.
    Das ärgert mich, weil es der Inbegriff von gegenseitiger Schwächeorientierung ist. Wir sehen dann nur, was zwischen uns anscheinend alles nicht klappt.
    Ich versuche, solche Destruktionsspiralen zu unterbrechen.
    Das gelingt mir leider nicht immer, aber ich gebe mein Bestes.

  2. maltedetje says :

    Das stelle ich mir auch echt mühsam vor. Vor allem wenn sich so eine Form des Miteinanders schon seit Jahren eingespielt hast. Das klingt sehr nach kochendem Wasser im Topf, bis es dann irgendwann überläuft. Also Negatives wird solange ignoriert, bis dann irgenwann die Mücke zum Elefanten wird. Wie versuchst Du dann solche Destruktionspiralen zu durchbrechen? Die Sachen vielleicht sofort anzusprechen, solange sie noch Mücken sind?

    • Simone Sommer says :

      Wenn ich es schnell genug merke, versuche ich, alle bei der momentanen „Mücke“ zu halten.
      Aber manchmal schalte ich auch nicht schnell genug und dann finde ich es wichtig, wieder auf das eigentliche Kleinproblem zu fokussieren.
      Denn das – und nur das – ist ja gerade aktuell obenauf.
      Sollten sich daraus weitere Folgen ergeben, kann man die ja gesondert behandeln.
      Den Problemberg immer weiter anzuhäufen, bringt jedoch nichts.

      Gute Erfahrungen habe ich in etwa mit folgendem Verhalten gemacht:
      1.) Wertschätzung der vorgebrachten Gefühle („Ich sehe, dass ihr euch alle mit [dem Thema] identifiziert und das Beste für [das Thema] wollt. Das finde ich sehr schön.“)
      2.) Fokussierung („Ich möchte deshalb mit euch zu unserer eigentlichen Fragestellung zurückkehren.“)
      3.) Zusammenfassung des Leistung der Wortbeiträge und Vermittlung, denn das wenigste, das in solchen Zusammenhängen geäußert wird, ist ausschließlich destruktiv. („Wie A schon richtig bemerkt hat…“ + „Das kann ich mir gut mit folgenden Gedanken von B vorstellen…“)

      Das ist natürlich ein Idealschema, das der jeweiligen Gesprächskultur angepasst werden muss, aber es klappt recht gut und ist eine meiner bislang eindrücklichsten Leitungserfahrungen, weil ich es mir, wie gesagt, in der Praxis hart erarbeitet habe als mir dieses Kreisen um Vergangenes unerträglich wurde.

  3. maltedetje says :

    Das „Idealschema“ finde ich sehr nützlich, um es im Hinterkopf zu behalten und dann in der einen oder anderen Modifizierung anwenden zu können. Ich glaube, besonders der erste Punkt ist sehr wichtig, um dem anderen zu signalisieren, dass ich ihn auch ernst nehme.

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