Streit in der Gemeinde und dennoch Lieben – Wie? 6 Vorschläge

Auch wenn wir nicht jeden Konflikt in der Kirchengemeinde lösen können, so können wir dennoch im Streit liebevoll miteinander umgehen. „Wie soll das konkret aussehen?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich der folgende Beitrag.

© Michal Marcol / FreeDigitalPhotos.net

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Die traurige Realität: zerstrittene Gemeinden

Ich kenne kaum eine Kirchengemeinde, in der nicht der ein oder andere Konflikt schwillt. Ehemals beste Freunde sind auf einmal unversöhnbar zerstritten. Bestimmte Gemeindeglieder können jetzt nicht mehr miteinander reden, geschweige denn zusammenarbeiten. Risse gehen durch alle Gruppen: Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche.

Wahrscheinlich sind manche dieser Konflikte sinnvoll oder mindestens notwendig. Aber sein wir ehrlich. Für die meisten von ihnen gilt das bestimmt nicht. Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt: Eine zerstrittene Gemeinde hat selten eine gute Publicity.

Als ich das gelesen habe, hat es bei mir „Klick“ gemacht

Als ich vor ein paar Wochen Alexander Strauchs „Mit Liebe Leiten“ gelesen habe, bin ich auf einen sehr spannenden Gedanken gestoßen: Im Alltag tendieren wir dazu, den Menschen viel Liebe entgegenzubringen, mit denen wir in Frieden leben. Beginnt jedoch einen Konflikt, dann nimmt die Liebe ab. Kurz: Je mehr Konflikt, desto weniger Liebe.

Jesu Gebot der Feindesliebe (Mt 5,44) legt jedoch ein anderes Prinzip nahe: Je mehr Konflikt, desto mehr Liebe. In einem Graphen verläuft die Konfliktkurve mit der Liebeskurve synchron. Steigt die erste an, zieht die zweite nach.

Dieser Gedanke hat mich dazu inspiriert mir die folgende Frage zu stellen: Wenn ich auch den Konflikt gerade nicht lösen kann, was kann ich dennoch tun, um den anderen zu lieben?

Ich möchte Dir gerne sechs Vorschläge machen. Sie haben sich auch bei mir als hilfreich erwiesen.

1) Für mein Gegenüber beten:  Schon Bonhoeffer hat das auf den Punkt gebracht. In Gemeinsames Leben schreibt er:

„Einen Bruder, für den ich bete, kann ich bei aller Not, die er mir macht, nicht mehr verurteilen oder hassen.“

Da steckt viel Psychologie hinter, aber das hat definitiv auch eine geistliche Dimension.

2) Gute Gedanken für mein Gegenüber haben: Jeder weiß – das geschieht in der Regel nicht automatisch. Es ist deshalb eine geistliche Übung, gute Gedanken über den Streitpartner zu meditieren. Ich versetze mich bewusst in den anderen hinein. Vielleicht notiere ich mir sogar einmal schriftlich, was wohl die Motive meines Gegenübers in unserem Streit sind.

3) Aktiv Zeit mit meinem Gegenüber verbringen: Im Konflikt tendieren Menschen meist zu drei verschiedenen Verhaltensmustern:

a) Sie fliehen und gehen dem anderen aus dem Weg.

b) Sie tun so, als würde das Problem nicht bestehen und schweigen den Konflikt tot

c) Sie zerstören ihr Gegenüber.

Meistens empfinden wir im Streit das Bedürfnis, dem anderen aus dem Weg gehen zu müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie gewinnbringend es ist, trotz Konflikt Zeit mit dem Gegenüber zu verbringen. Sicherlich ist es in späteren Phasen der Konflikteskalation richtig, sich aus dem Weg zu gehen. Mein Punkt ist nur: Wir fangen damit meistens viel zu früh an.

4) Bewusst Gutes tun: Ich tue meinem Gegenüber bewusst Gutes. Andy Stanley weist darauf hin, dass Liebe in der Bibel ein Verb ist und kein Nomen. Es geht um Taten der Liebe, die dann als Konsequenz auch positive Gefühle hervorbringen. Das ist sicherlich simplifiziert, aber grundsätzlich richtig. Tue dem Streitpartner etwas Gutes!

5) Nicht über mein Gegenüber lästern:  Bonhoeffer gab für die Vikare in dem Predigerseminar in Finkenwalde diese Regel aus: Es darf nicht über einen anderen in dessen Abwesenheit geredet werden. Wenn es doch geschehen war, musst es dem anderen unmittelbar gesagt werden. Für Konflikte kann das wegweisend sein. Der positive Nebeneffekt: Ich fange nicht unbewusst an, Allianzen zu schmieden und den Konflikt auszuweiten, was so schnell geschehen kann, wenn man sich nach Bestätigung durch Dritte sehnt.

6) Dennoch: Sünde behalten und Unwahrheit benennen: Liebe hat das Beste für den anderen im Sinn. Deshalb: Ist der andere auf einem falschen Weg, ist es keineswegs liebevoll nur um des lieben Friedens Willen einzulenken. Aber hier muss ich meine Motive prüfen: Geht es mir wirklich um das Wohl des anderen?

Sicherlich lässt sich mit all dem kein Konflikt lösen. Aber womöglich gelingt es uns so, unseren Streitpartner ein wenig mehr zu lieben und wir sind dann als Gemeinden ein wenig mehr das Licht der Welt. In letzter Konsequenz liegt der Schlüssel für mehr Feindesliebe wohl aber im Meditieren der Feindesliebe Gottes zu mir (Röm 5,10). Das ist definitiv kein frommer Spruch. So manches Unrecht erscheint dann in einem anderen Licht.

Frage: Welchen Tipp würdest Du anderen geben, um in Konflikten mehr zu lieben? – Oftmals sieht man es bei anderen klarer, was auch für ein selbst gelten sollte. Wie hoch ist der Einfluss von unliebevoll gelebten Konflikten auf das Gemeindeleben in Deiner Gemeinde?

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2 responses to “Streit in der Gemeinde und dennoch Lieben – Wie? 6 Vorschläge”

  1. Christoph Klaiber says :

    Dürfte ich diesen Beitrag im Gemeindebief unserer Evangelisch-methodistischen Kirche in Pfullingen abdrucken? Er würde gerade sehr gut passen….
    Pastor Christoph Klaiber

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