Zwei Arten von Herausforderungen, die Du als Leiter kennen musst

Als Leitender in einer Kirchengemeinde steht man ständig vor Herausforderungen: Da soll das Gottesdienstformat runderneuert werden oder an der kriselnden Seniorenarbeit müsste dringend etwas getan werden. Aber Achtung: Wer dabei den grundlegenden Unterschied zwischen adaptiven und technischen Herausforderungen nicht kennt, geht baden.

© renjith krishnan / FreeDigitalPhotos.net

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Die Unterscheidung in technische und adaptive Herausforderungen geht auf den Harvard Professor Ronald Heifetz zurück. Sie lässt sich griffig an einem Beispiel verdeutlichen: Kodak. Das Unternehmen stand schon immer der technischen Herausforderung gegenüber, bessere und bessere Fotofilme zu entwickeln. Dann jedoch kam die Digitalkamera – eine adaptive Herausforderung. Kodak ignorierte den Unterschied zwischen einer technischen und einer adaptiven Herausforderung… und erlitt Schiffbruch.

Der Unterschied zwischen technischen und adaptiven Herausforderungen

1) Innerhalb oder außerhalb des Systems?

Bei einer technischen Herausforderung liegt die Herausforderung im System selbst, bei einer adaptiven Herausforderung liegt sie außerhalb des Systems.

Ein Beispiel: Wenn mein Fahrrad einen Platten hat, dann liegt offensichtlich eine technische Herausforderung vor. Ich flicke den Schlauch – oder bei meinem handwerklichen Vermögen: lasse ihn flicken. Eine technische Herausforderung, eine technische Lösung. Anders ist der Fall jedoch gelagert, wenn ich zu faul bin, mein Fahrrad regelmäßig aufzupumpen und mir deshalb einen Platten nach dem anderen einfahre. Das Problem liegt nun außerhalb des Systems „Fahrrad“, nämlich bei mir.

2)      Problem klar oder unklar?

Bei einer technischen Herausforderung ist die Problemstellung klar, bei einer adaptiven Herausforderung ist selbst das Problem schwer zu fassen.

3)      Lösungsmuster bekannt oder unbekannt?

Bei einer technischen Herausforderung greift man zu altbekannten Lösungsmustern, bei einer adaptiven Herausforderung stehen keine Lösungsmuster parat. Deshalb ist es wichtig, bei adaptiven Herausforderungen viel Raum zum Experimentieren zu geben. Es gilt ein Denken outside the box zu fördern.

Warum ist das jetzt so wichtig?

Richard Hamm und Alan Roxburgh haben beide darauf hingewiesen, dass wir an dieser Stelle in Kirche und Gemeinde ein Problem haben. Denn: Wir reagieren sehr oft auf adaptive Herausforderungen mit technischen Lösungen. Wir behandeln adaptive Probleme wie technische. Beispiele gefällig?

  • Wir basteln an einer attraktiven Gottesdienstgestaltung. Was ist aber, wenn ein Gottesdienst an sich nicht mehr die Veranstaltungsform ist, die Außenstehende anspricht?
  • Wir entwerfen ein neues Programm für unsere Jugendarbeit. Unhinterfragt bleiben aber die alten „technischen Lösungmuster“. Man trifft sich für 90 Minuten, 1x die Woche, hier ist die Anmeldeliste.
  • Wie sollen wir als Kirchengemeinden mit sozialen Netzwerken umgehen? Auch hierfür liegen keine alten Lösungsmuster vor.

Wer diesen Unterschied ausblendet, der betreibt mit Bill Coffin „rearranging deck chairs on the Titanic.“ Das Schiff läuft auf einen Eisberg zu, aber die Besatzung ist damit beschäftigt, die Stuhlordnung an Deck neu zu ordnen.

Natürlich stehen wir in unseren Kirchengemeinden auch vor vielen technischen Herausforderungen. Aber wo wir vor adaptiven Herausforderungen stehen, da empfehlen sich zwei Dinge:

  1. Verstehen: Viel Zeit für das gemeinsame Verstehen und Reflektieren des Problems nehmen.
  2. Experimente wagen: Ich muss nicht schon zu Beginn eines Veränderungsprozesses das fertige Konzept in der Tasche haben. Das ist ja bei adaptiven Herausforderungen per definitionem nicht möglich. Wir probieren als Gemeinde deshalb viel aus und schauen dann, was funktioniert.

Frage: Wo steht Deine Gemeinde womöglich vor einer adaptiven Herausforderung? Wie könnte man ganz konkret „Mut zum Experimentieren“ machen? – Ich würde mich sehr über einen Kommentar von Dir freuen!

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