Wenn Musik die Gemeinde nicht mehr spaltet

Für viele ist es ein Grund, einen bestimmten Gottesdienst nicht mehr zu besuchen: die Musik. „Wenn da nicht nur englische Lieder gespielt werden würden, würde ich auch kommen“ – heißt es dann. Der Musikgeschmack lässt oft einen tiefen Riss durch die Gemeinde gehen. Doch wie lässt sich das verhindern?

©  Jörg Kleinschmidt / PIXELIO'

© Jörg Kleinschmidt / PIXELIO‘

Musik ist ein heißes Eisen. Über vieles kann man sich hier streiten: Englische oder deutsche Lieder? Moderne oder traditionelle Songs? Lieber mit Gitarre oder doch die Orgel beibehalten? Wenn Du auch schon einmal so eine ermüdende Diskussion geführt hast, dann weißt Du, wovon ich rede. Besonders als Leiter versucht man dann, zwischen den verschiedenen Positionen zu vermitteln.

Im September 2012 haben wir uns in der Apostelkirchengemeinde in Kiel deshalb einen ganzen Monat genommen, um in Musikfragen zur Einheit zu finden. Als Mit-Leiter des Musikbereichs dieser Gemeinde war das ein intensiver Monat für mich. Wir haben viel geredet. In diversen Gesprächen kristallisierten sich 3 ganz entscheidende Aspekte heraus. Es waren 3 Aspekte, die uns halfen, in Musikfragen zur Einheit zu finden. So manches Kriegsbeil konnte dann begraben werden. Vielleicht hilft es Dir ja auch, diese 3 Aspekte einmal in Deiner Gemeinde zu thematisieren.

1)      Begegnungsort oder Götze?

Musik kann ein Ort sein, an dem Gott und Mensch sich begegnen. Ein Ort, an dem wir zu Gott sprechen und Gott auch manches Mal zu uns spricht. Musik ist ein Ort der Gottesbegegnung. Das ist klasse. Aber sie kann auch zu einem Götzen werden.

Tim Keller gibt eine – wie ich finde – sehr hilfreiche Definition von Sünde. Sünde ist nach Keller „making good things into ultimate things“. Sünde ist es dann, wenn wir aus einer guten Sache die wichtigste Sache machen. Sünde ist, wenn wir etwas Gutes an die Stelle Gottes setzen. Dann wird das Gute zu einem Götzen. Und genau das kann uns mit Musik passieren.

Gute Musik kann ein Mittel sein, um Gott zu begegnen. Aber sie ist niemals Selbstzweck. Ein wichtiger Schritt zur Einheit in der Gemeinde kann es sein, darüber einmal genauer nachzudenken. Wo ist unser persönlicher Geschmack von etwas Gutem zu dem Wichtigsten geworden?

2)      Rechthaben oder Rücksichtnahme?

Wir ahnen es: Mit ein bisschen Toleranz und „jedem das Seine“ ist es an dieser Stelle nicht getan. Mir ist in der Diskussion um Musik vor allem das wichtig geworden, was Paulus in 1. Korinther 8 schreibt. Und Paulus geht es hier um mehr als ein bisschen Toleranz für Menschen mit einem anderen Geschmack.

Paulus macht hier deutlich, dass er all sein Verhalten nur an dem ausrichten will, was dem anderen gut tut. In der Frage, ob Christen Götzenopferfleisch essen dürfen, vertritt er die „progressive“ und nicht die „konservative“ Sich. Christen dürfen das. Auf der inhaltlichen Ebene ist die Sache für Paulus klar. Aber dennoch spricht er sich für ein ganz anderes Verhalten aus. Er würde lieber Vegetarier werden statt den „konservativen“ Mitchristen zu schaden. Wow. Für mich als Freund moderner Lobpreislieder heißt das: Ich will lieber nur noch Orgelmusik im Gottesdienst hören, wenn das meinem Mitchristen hilft.

Musik spaltet unsere Gemeinde dann nicht mehr, wenn unser Herz ganz von dieser Leitfrage geprägt ist: Was hilft dem anderen? – Aber wie kommen wir zu einem solchen Herzen?

3)      Die Missklänge meines Lebens

Soll ich einmal ganz ehrlich sein? Ich denke, dass wir mit bloßen Appellen zu mehr Rücksichtnahme nicht weiterkommen. Ethische Mahnungen werden das Problem in der Tiefe nicht lösen. Der einzige Ausweg ist es, die Grundstruktur des Evangeliums auch in der Musikfrage zu entdecken.

Wäre mein Leben ein Lied, dann wäre es voller krummer Melodien und schiefer Töne. Und dennoch hört Gott mir gerne zu und verwandelt meine schiefen Töne in eine wunderbare Symphonie. Wenn ich in dieser Tiefe erlebe, wie Gott über die großen krummen Melodien meines Lebens manchmal liebevoll hinweghört, dann werden auch die musikalischen Missklänge im sonntäglichen Gottesdienst zur absoluten Nebensache.

Frage: Wie gehst Du damit um, dass es in Deiner Gemeinde verschiedene Musikgeschmäcker gibt? Was sagst Du dir selbst, wenn Du dich mal wieder über den Kirchenmusiker aufregen möchtest?

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