So löse ich eine Schreibblockade

Ob in der Predigtvorbereitung oder bei der Hausarbeit. Sie taucht immer dann auf, wenn man sie am wenigsten braucht: Die Schreibblockade. Du starrst schon seit 20 Minuten auf deinen Bildschirm, aber es ist kein Satz hinzugekommen.

© Wilhelmine Wulff / PIXELIO’

© Wilhelmine Wulff / PIXELIO’

Du hast einen guten Gedanken, willst ihn zu Papier bringen, aber Du findest nicht die richtigen Worte. Oder: Du tippst einen ganz passablen Satz, aber je länger Du ihn Dir anschaust, desto weniger bist Du mit ihm zufrieden – biss Du ihn schließlich ganz löscht. Nun ist die Seite wieder leer. Die Schreibblockade ist da. Aber was kannst Du nun tun, um sie zu lösen?

Die Schreibblockade verstehen

Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung besteht darin, zu verstehen, was bei einer Schreibblockade eigentlich passiert. Natürlich kann hier eine Vielzahl von Ursachen vorliegen. Auf einen wesentlichen Faktor aber hat Betty Sue Flowers hingewiesen.

Um einen guten Text zu verfassen, muss ich verschiedene Dinge tun. Ich muss einerseits kreativ sein und Ideen entwickeln, andererseits aber auch kritisch sein und an meinem Stil feilen. Nach Betty Flowers entsteht eine Schreibblockade nun deshalb, weil all diese Prozesse gleichzeitig in meinem Kopf stattfinden. Da diese Prozesse aber gleichzeitig ablaufen, eliminieren sie sich gegenseitig. Meine kreative Stimme ruft mir lauter tolle Einfälle zu, aber meine kritische Stimme sorgt dafür, dass nicht einer dieser Einfälle zu Papier kommt. Die beiden Stimmen streiten sich. Die Schreibblockade ist perfekt.

Ein Modell zur Lösung: Mad Man, Architekt, Zimmerman und Richter

„Mad man, Architekt, Zimmermann, Richter“ – so will Betty Flowers das Problem lösen. Aber was meint sie damit?

Jede Stimme ist wichtig und hat ihren Platz, aber – und das ist das Entscheidende – nicht zu jeder Zeit. Die kritische Stimme darf reden, aber nicht, wenn gerade Kreativität gefragt ist. Flowers schlägt nun vor, sich die verschiedenen Stimmen als insgesamt 4 Personen vorzustellen und diese nacheinander, aber niemals gleichzeitig zum Schreibeprozess hereinzubitten. Das sind die 4 Personen:

  • Mad Man: Als erstes betritt der kreative Mad Man den Raum. Jetzt wird jeder Gedanke, der mir in den Kopf kommt, zu Papier gebracht. Kein Gedanke wird kritisch gesehen und jeder Einfall notiert. In wenigen Minuten füllt sich Seite um Seite.
  • Architekt: Nun ist die Architektin dran. Sie bringt in das kreative Chaos eine Struktur. Sie schaut meine Notizen an und findet womöglich nur ein Zehntel davon brauchbar. Aus diesem Zehntel entwirft sie aber eine Gliederung für meinen Text. Um die Formulierung konkreter Sätze macht sie sich aber noch keine Gedanken.
  • Zimmerman: Denn das ist Aufgabe des Zimmermanns. Er schreibt nun den eigentlichen Text und formuliert die Gliederung aus. Er zimmert alles zusammen.
  • Richter: Jetzt darf nun endlich auch der Richter ran. Er geht den Text noch einmal kritisch durch und kümmert sich um Details. Er überprüft Grammatik, Rechtschreibung und achtet darauf, dass der gute Stil auch eingehalten wird.

Die Entstehung eines Textes wird so in vier Phasen unterteilt. Vielleicht bietet es sich an, zwischen den einzelnen Schritten eine Pause zu machen. Flowers empfiehlt für einen Essay sogar einen Tag.

Ich mag dieses Modell. Ich finde es besonders für Perfektionisten hilfreich. Denn bei Perfektionisten ist oftmals die Stimme des Richters sehr dominant. Flowers schlägt vor, auf den Richter erst am Ende zu hören. Perfektionisten arbeiten jedoch oftmals genau andersherum. Sie räumen dem Richter am Anfang viel zu viel Platz ein, so dass sie kaum vorwärts kommen. Samstagabend ist die Predigt noch immer nicht geschrieben. Hintenheraus läuft ihnen also die Zeit weg, so dass der Zimmermann kaum noch zum Arbeiten kommt, geschweige denn der Richter am Ende dann seine eigentliche Aufgabe erfüllen kann.

Anwendungsmöglichkeiten

Mad Man, Architekt, Zimmermann und Richter – das ist ein griffiger Viererschritt. Es stellt sich aber die Frage, wo dieses Modell in der Praxis angewandt werden kann. Hier sind meine Ideen:

  • Die Predigt
  • Andachten
  • Gemeindebriefartikel
  • Hausarbeiten
  • Längere Mails
  • Berichte
  • Projekte

Wenn ich ehrlich sein soll, dann ist mit diesem Viererschritt allein keine Predigt vorzubereiten. Denn eine gute Predigt benötigt eine umfassendere Vorbereitung. Dennoch lohnt es sich zu reflektieren, ob denn alle vier Stimmen einen Platz in meiner Predigtvorbereitung haben. Mein Verdacht ist, dass so manch einer von uns, die ein oder andere der vier Stimmen gerne mal vor der Tür lässt.

Für Andachten oder Gemeindebriefartikel finde ich das Modell da schon hilfreicher. Für Hausarbeiten hätte ich es gerne schon früher gekannt. Spannend wäre auch eine Übertragung auf das Projektmanagement. Warum nicht einmal die Vorbereitung der nächsten Konfi-Freizeit an diesem Modell orientieren?

Das Lösen von Schreibblockaden ist keine leichte Sache. Aber die Verwendung dieses Viererschritts kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

Frage: Auf welche der vier Stimmen hörst Du zu selten? Gibt es eine weitere Figur, die du gerne in das Modell integrieren würdest. Fallen Dir noch weitere Anwendungsmöglichkeiten ein?

Hier gibt es eine gelungene Visualisierung des Modells.

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4 responses to “So löse ich eine Schreibblockade”

  1. schlunki says :

    Wow, den Ansatz kannte ich noch nicht! Danke.

    Wobei die klassische „Schreibblockade“ ja oft handfeste psychologische Ursachen hat. Und dann stößt ein Vier-Punkte-Plan natürlich an Grenzen …

  2. Anna-Lena says :

    Danke hat funktioniert

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