Wie bekomme ich eine hoch aktive Gemeinde? Lernen von Bill Hybels

Es ist zum verrückt werden. Du reißt Dir die Beine aus, um die Gemeinde aus ihrem Schlaf zu reißen. Du willst sie motivieren, nun endlich einmal etwas für Gott zu bewegen. Du möchtest eine Gemeinde, in der Gottesdienstbesucher zu Mitarbeitern werden, Menschen ihre Arme hochkrempeln und diese Stadt verändern.

In Deiner Predigtvorbereitung stellt sich nun genau diese Frage: Wie kann ich so predigen, dass die Gemeinde zum Handeln motiviert wird? Was muss ich tun? Was muss ich dafür sagen?

Ich bin im Web auf einen Predigtausschnitt von Bill Hybels gestoßen. Es ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man die Gemeinde zum handeln motiviert. Wer ist Bill Hybels? Bill Hybels ist Pastor der Willow Creek Community Curch, einer US-amerikanischen Megachurch. Aus „seiner“ Gemeinde kommt das auch in Deutschland verbreitete D.I.E.N.S.T-Programm, was Gemeindemitglieder bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Gemeinde unterstützen soll.

Willow Creek ist eine Gemeinde voller engagierter Christen. So bringen einige Männer in ihrer Freizeit alte Autos auf Vordermann und verschenken sie an alleinerziehende Mütter. Wow. Eine Gemeinde voller Helden. Aber wie bringt Hybels die Gemeinde dazu? Wie predigt er zum Thema Mitarbeit? Genug der Worte – hier das Video:

Mir hat dieser Predigtausschnitt die Sprache verschlagen. Das zentrale Wort für Mitarbeit in der Gemeinde ist bei Hybels das „Therefore“. Es geht um ein „Deshalb“. Es geht nicht darum, die Gemeinde mit einem „Nun macht doch einmal endlich!“ zu ermahnen, sondern ihr die Gnade Gottes vor Augen zu malen! Dafür stellt Hybels das 12. Kapitel des Römerbriefes in den Kontext des Gesamtbriefes.

Theologisch beeindruckt mich das, denn es ist urevangelisch. Ethik ist keine Bedingung, sondern eine Konsequenz der Rechtfertigungslehre. Unsere Mitarbeit in der Gemeinde ist dann unser „vernünftiger Gottesdienst“. Wenn mich Gottes Gnade im Innersten trifft, was sollte ich auch anderes tun? Jetzt kann ich nicht anders. Ich werde die Ärmel hochzukrempeln.

Später in dieser Predigt (die ganze Predigt gibt es hier) redet Hybels noch über gabenorientierte Mitarbeit. Der Bibelkenner weiß, dass auch die Gaben ein Thema von Römer 12 sind.

Wie werden wir also zu Helden? Bill Hybels erzählt den Römerbrief nach. Man merkt richtig, wie ihm als Prediger die Botschaft selbst nahegeht. Mir geht das Evangelium nun auch nahe. Am Ende kommt er bei Römer 12 an und eines steht nun fest. Mein Einsatz für das Reich Gottes hat nichts mit Heldentum zu tun. Ich kann nicht anders.

Was nehme ich mit? Ich will mehr von Jesus reden und dem, was er für mich getan hat. Eine engagierte Gemeinde wird sich daraus als Konsequenz ergeben.

Natürlich ist das Thema noch viel komplexer und von heute auf morgen wird sich nicht alles ändern. Das ist mir auch klar. Aber dennoch: Wie bekomme ich eine hoch aktive Gemeinde? Rede von Jesus!

Frage: Wie motivierst Du die Zuhörer beim Predigen? Ist dir ein einfaches „Deshalb“ zu simpel? Was gefällt Dir an diesem Predigtabschnitt?

Advertisements

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

7 responses to “Wie bekomme ich eine hoch aktive Gemeinde? Lernen von Bill Hybels”

  1. jonas says :

    Ohne Frage eine geile Predigt, ich glaube ich habe die sogar mal live gesehen/gehört!
    Aber meine „sprachliche“ Anfrage:
    Im Deutschen bei Luther und in der Elberfelder steht kein „Deshalb“ o.Ä.
    Im Griechischen steht nur ein „oun“.
    Ist das ein begründendes „Therefore“? Also ein „darum“? Und wenn ja, wieso wird es im Deutschen nur als ein zeitliches „nun“ wiedergegeben?

    • maltedetje says :

      Hey Jonas,

      das ist ein wirklich guter Punkt, denn damit steht und fällt ja Hybels gesamter Argumentationsgang. Ich bin selbst kein Griechisch-Experte und habe so gerade noch einmal im G-Moll nachgeschaut. Dort sind für das „oun“ vor allem zwei Verwendungsmöglichkeiten angegeben. 1) Ein bestätigender und bekräftigender Sinn. 2) demnach, folglich, demzufolge.

      Die Neue Genfer Übersetzung intrepretiert das oun im zweiten Sinne, allerdings meiner Meinung nach schon sehr frei… Hier steht: „Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt.“

  2. Felipe Axt says :

    „Folglich“ sollten wir möglicherweise auch wieder ganz vorne anfangen und nach dem Schema 3/4 Rechtfertigung und 1/4 Ethik predigen. 11 Kapitel (!) nimmt sich Paulus, um immer wieder zu formulieren, was es heißt, durch Gott von der Sünde befreit zu werden. Ohne begriffen zu haben, was es heißt ohne Gott verloren zu sein, aber mit ihm alles geschenkt zu bekommen, wird natürlich schwerlich jemand sein Leben vollkommen für Gott hingeben (können). Ich lese dazu übrigens gerade „Becoming a contagious christian“ von Bill Hybels und merke, wie dringend notwendig aber auch wie schwer es in unseren volkskirchlichen Gemeinden ist, evangelistisch zu predigen. Dringend notwendig ist daher wohl auch, um Erweckung der toten Christenheit zu beten.

  3. Daniel says :

    … und ein nettes Detail dazu: Den ersten Imperativ seines Briefs bringt Paulus erst in Römer 6,11. Und da geht es ausgerechnet darum, innerlich nachzuvollziehen, was Gott bereits getan hat (bei Luther: „… haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid …“). Deswegen ist das „Therefore“ gar nicht so entscheidend, denke ich. Der Impuls ergibt sich auch allgemein-inhaltlich aus dem Römerbrief.

  4. Daniel says :

    Wobei ich die Floskel „Was Jesus für uns getan hat“ ebenso schwierig wie langweilig finde. Weil sie zu allgemein ist und gleichzeitig im „frommen“ Kontext meistens nur auf eine bestimmte Art und Weise gefüllt wird, nämlich mit dem Tod Jesu (während seine Auferstehung geschweige denn sein Leben keine Rolle spielen).

    • maltedetje says :

      Jipp, in der Praxis sollte man das sicherlich kreativer ausgestalten. Mir ging es nur um eine grundsätzliche Zuordnung vom Handeln Gottes und unserem Handeln. Auch den exegetische Hinweis mit Röm 6,11 finde ich passend! Danke für den Hinweis.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: