Lieber Prediger, weißt Du, was die Beispiel-Falle ist?

Eine Predigt mit vielen Beispielen ist auch eine lebensnahe Predigt. Der Satz klingt einleuchtend, stimmt aber in der Einfachheit nicht. Beispiele sind wichtig. Aber wer den Unterschied zwischen Beispielen und echter Lebensrelevanz nicht kennt, der tappt in die Beispiel-Falle.

©  Surachai / FreeDigitalPhotos.net

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Eine Predigt muss im Leben einen Unterschied machen

In einem kurzen Video erklärt Timothy Keller, wie er seine Predigt vorbereitet. Vier Stunden brütet er über dem Text. Am Ende steht die Exegese. Aber Keller ist noch längst nicht fertig. Nun braucht er noch einmal vier Stunden um aus dieser Bibelarbeit eine Predigt zu machen. VIER Stunden! Denn eine Bibelarbeit ist nicht das Gleiche wie eine Predigt. Worin besteht der Unterschied? Aus dem „Was sagt der Text“ wird nun ein „Was bedeutet das für dich“. Aus dem „Was sagt der Text an sich“ ein „Was sagt der Text für dich“. Also: Die Predigt vermittelt nicht nur biblische Inhalte, sondern muss im Leben der Zuhörer einen Unterschied machen.

Jetzt wird mir vielleicht mancher gerne ins Wort fallen wollen: „Genau das mache ich doch! Ich benutze sehr viele Beispiele und Vergleiche. Oft auch erzähle ich Geschichten aus meinem Leben.“ Das ist ja auch gar nicht verkehrt. Die spannende Frage, die ich Dir aber stellen möchte, ist: Macht Dein Beispiel wirklich in meinem Leben einen Unterschied?

Spätestens jetzt müssen wir uns anschauen, was ein Beispiel denn ist.

Was ist ein Beispiel in einer Predigt?

Mit einem Beispiel wird in einer Predigt oft ein undeutlicher Aspekt des Bibeltextes (x) mit einer Begebenheit aus dem Alltag (y) verdeutlicht. Die Botschaft ist dann: x ist wie y. Klingt das zu abstrakt? Zwei Beispiele:

  • Ein Jugendlicher erklärt den Konfirmanden: „Das mit der Trinität ist wie mit einer Gabel. Drei Spitzen und doch eine Gabel. So ist das auch mit Gott. Drei Personen und doch ein Gott.“
  • In einer Predigt über Jesaja 40, 3-4 (Bereitet dem HERRN einen Weg) heißt es: „Hier geht es um eine Autobahn. Wir bauen eine gerade Straße, auf der Gott dann ankommen kann. Wir bauen eine Autobahn für Gott.“

Solche Beispiele sind gut. Sie helfen einen schwierigen Text zu verstehen. Auch schweifen meine Gedanken beim Abendessen nun hin und wieder zur Dreifaltigkeit ab und ich kann manchmal auch nicht ins Auto steigen ohne an Johannes den Täufer zu denken. Aber mein Leben verändern diese Beispiele noch nicht. Dafür braucht es dann doch mehr. Bleibe ich als Prediger bei solchen Beispielen stehen, dann schnappt die Beispiel-Falle zu. Warum? Weil mithilfe dieser alltäglichen Beispiele der Text verständlicher gemacht wird. Ich kann so denn Text besser verstehen. Das ist gut, aber es macht noch nicht automatisch einen Unterschied in meinem Leben.

Eine Predigt, die wirklich einen Unterschied macht

Soll unsere Predigt Leben verändern, müssen wir also noch tiefer gehen. Wir schauen uns noch einmal den Predigttext an und stellen uns dabei Fragen wie diese:

  1. In welchen Alltagssituationen lebe ich nun anders, wo ich diesen Text gehört habe?
  2. Wo bestärkt oder überführt der Text uns in Einstellungen, Meinungen oder Gefühlen, die wir so mit uns herumtragen?
  3. Stecken wir als Gemeinde an irgendeiner Stelle fest und eröffnet uns der Text womöglich einen neuen Weg aus dieser festgefahrenen Situation?

In einer guten Predigt werden also nicht nur Beispiele verwendet, um den Text zu erklären, sondern der Text „benutzt“, um unser Leben zu verändern. Das macht den Unterschied! Die Beispielfalle schnappt dann zu, wenn wir uns mit der Verwendung von Beispielen schon zufrieden geben. Das muss aber nicht sein.

Frage: Was tust Du, damit Deine Predigt wirklich Leben verändert? Bist Du auch schon einmal in die Beispiel-Falle getappt? Oder gab es auch einmal ein Beispiel, das für Dich wirklich einen Unterschied gemacht hat?

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8 responses to “Lieber Prediger, weißt Du, was die Beispiel-Falle ist?”

  1. Felipe Axt says :

    Wie wäre es mit einem Beispiel, das ein lebensveränderndes Beispiel ist?

    • maltedetje says :

      Ich glaube, das würde mir auch gefallen. Du meinst lebensverändernde Beispiele wahrscheinlich mehr so im Sinne vom Erzählen einer Geschichte, oder? Vielleicht hätte ich präziser von Vergleichen reden sollen…

  2. schlunki says :

    Hmm, ich sehe die Falle eher darin, dass meine Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen noch längst nicht die meiner Hörer(innen) sein müssen. Auch in der Seelsorge wichtig (man denke nur an die pseudoeinfühlsame Bemerkung „Das kenne ich“ …)!

    • maltedetje says :

      Das ist definitiv auch eine Falle und eine echte Herausforderung. Vor allem, wenn man seine eigene Lebenssituation unbewusst ganz selbstverständlich auch für andere voraussetzt.

  3. Gregor says :

    http://www.tele5.de/folge_26_schweine_schwerter_schmusesaenger
    darin: Beispiele für schlechte Beispiele. Und wie es ankommt.

  4. Lux says :

    Wichtige Hinweise, guter Malte!
    Ich ahne, aufgrund welcher Begebenheit du in diesem Zusammenhang bei Jes 40,3-4 gelandet bist.. Äußerst gelungen finde ich zum Thema H. Thielicke, Leiden an der Kirche (etwa 96-111), der ein sehr konkretes Beispiel für die Problematik liefert.

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