3 Dinge um als Prediger in Form zu bleiben

Jeder Fußballer kennt diese Binsenweisheit: Wer in der Woche gut trainiert, der wird am Samstag auch aufgestellt. Vergangene Leistungen zählen kaum. Ich muss mich fit halten, um groß aufspielen zu können. Komisch, dass es bei Predigern oftmals anders aussieht. Sie spielen Sonntag für Sonntag auf der Kanzel, aber oftmals mit großem Trainingsrückstand. Natürlich wird die Predigt vorbereitet. Aber was das grundsätzliche Arbeiten an der Verkündigung angeht: Fehlanzeige. Gottesdienstbesucher jedoch leiden langfristig darunter, denn die Qualität der Predigten sinkt, wenn sich der Prediger homiletisch nicht in Form hält.

© Alexey Klementiev / fotolia

„Ja, ich weiß, aber dafür habe ich leider keine Zeit.“ – So manchem wird dieser Gedanke wohl instinktiv durch den Kopf schießen. Dennoch bleibt es eine Frage der Prioritätensetzung. Vielleicht kannst Du ja einen kleinen Schritt gehen. Es wird sich lohnen. Hier kommen drei Anregungen für Dich, mit denen Du als Prediger in Form bleiben kannst. Sie zu beherzigen, hilft am Sonntag groß aufzuspielen.

1         Neuen Inhalt generieren – Bücher lesen

Wenn Du predigst, dann solltest Du auch etwas zu sagen haben. Gute Prediger haben den Menschen gute Inhalte mitzuteilen. Doch wo kommen diese guten Inhalte her? Manchmal dienen wir dann dem Götzen der Einmaligkeit. Wir meinen, wir müssten den genialen Einfall selbst haben, den guten Inhalt immer selbst produzieren. Ich denke, dass wir uns damit oftmals selbst im Wege stehen. Warum nicht gute Gedanken von anderen Christen übernehmen? Deshalb der Hinweis: Lies gute christliche Bücher! Oftmals entwirft sich im Anschluss an die Lektüre eine gute Predigt (oder gar Predigtreihe) von ganz allein. Ich erinnere mich an eine Predigt, die ich einmal über das Thema: „Wie redet Gott zu mir?“ gehalten habe. Vorher hatte ich Dallas Willards Die eine sanfte Stimme gelesen. Ein klasse Buch! Die Predigt schrieb sich wie von selbst, denn der gute Inhalt sprach für sich. Also: Welches Buch könnte demnächst auf Deinem Nachtisch landen?

2         Predigten hören

Ich liebe es, gute Predigten zu hören. Geht Dir das auch so? Ich höre regelmäßig per Podcast Predigten von Leuten wie John Ortberg oder Timothy Keller. Ähnlich wie schon beim „Bücher lesen“ hole ich mir hier spannende inhaltliche Anregungen. Aber hier inspiriert mich nicht nur das „Was?“, sondern auch das „Wie?“. Ich entdecke neue Möglichkeiten, wie eine Predigt aufgebaut werden kann. Ich schaue mir auch rhetorisch einiges ab. Ich bin fasziniert davon, wenn Kevin Kim eine Predigt förmlich mit einer Doxologie beendet. Das kannte ich noch nicht, will ich aber auch mal ausprobieren. Hierbei gilt der Grundsatz: Je mehr unterschiedliche Prediger Du hörst, desto mehr wirst Du auch profitieren. Für mich ist das Hören von diesen Predigten nicht nur ermutigend und inspirierend, sondern auch vergleichsweise zeitsparend. Ich höre sie, wenn ich einkaufe, die Wäsche aufhänge oder jogge. Also: Welchen Podcast könntest Du neu für Dich entdecken?

3         Feedback-Kultur etablieren

„Sie haben heute schön gepredigt!“ – Ich freue mich, wenn ich am Ausgang beim Händeschütteln diesen Satz höre. Nur helfen tut er mir leider nicht. Der Satz ist zu unkonkret. Ich weiß nicht, was denn genau so gut war, dass ich es beim nächsten Mal wiederholen könnte. Feedback hilft nur, wenn es sich auf ein konkretes Detail bezieht. Zum Beispiel: „Du hast heute am Anfang Deine Gliederung vorgestellt! Das löst bei mir aber Langeweile aus, weil ich weiß, was noch kommt.“ Auch gilt: Zum Feedback geben, braucht man eigentlich ein Mandat. Deshalb frage doch vor der Gottesdienst ein, zwei Personen, ob sie einmal auf ein Detail achten mögen und Dir anschließend Rückmeldung geben wollen. Gesichtspunkte gibt es massig: Gestik, Mimik, roter Faden, Stimmenführung, Verwendung plausibler Bilder, Alltagsnähe, praktische Relevanz, etc. Also: Wie wäre es damit, vor der nächsten Predigt eine Person um ein Feedback zu bitten?

Wie wäre es damit, diese Woche wieder ein wenig homiletisch zu trainieren? Es lohnt sich. Ich freue mich auf Deinen Kommentar.

Frage: Gibt es ein Buch, das Dich einmal zu einer Predigt inspiriert hat? Oder gibt es einen Predigt-Podcast, von dem Du regelmäßig profitierst?

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6 responses to “3 Dinge um als Prediger in Form zu bleiben”

  1. Björn says :

    Ich kann mit allen der drei Tipps etwas anfangen. Besonders sinnvoll und bereichernd halte ich die Idee, andere Predigten unter gestalterischen Aspekten zu betrachten. Das hat mir auch schon mal geholfen, mein Repertoire zu erweitern. Selbstredend dabei ist sicherlich, dass die Methode auch zum Prediger passen muss. Ich z.B. habe Prediger gehört, die gekonnt Humor eingeflochten haben, ich selbst aber bin kein geborener „Stand-Up-Comedian“ und lasse das dann lieber. Genauswenig versprüht man automatisch das Charisma eines Martin-Luther-King , nur weil man eine Anapher als Stilmittel benutzt. Oder hat den Ausdruck einer Christina Brudereck, weil man ein paar Wortspiele einbaut.
    Doch wie gesagt – die Grundidee ist sicherlich nützlich. Auch Künstler schauen sich von anderen etwas ab und integrieren es in den eigenen Stil.

    Ein anderes Thema ist für mich jedoch die Frage der exousia – auch wenn ich nun in Gefahr gerate als Donatist, Puritaner, „Kampf-Pfingstler“ oder dergleichen angesehen zu werden, so bewegt mich doch die Frage: „Hat das eigene Leben mit Wort, Geist, Gebet und Sakrament nicht wesentlich Einfluss auf die Wirkung meiner Verkündigung (Seelsorge, Liturgischer Präsenz, Leitung …)?

    Um dann mal schön vereinfacht und plakativ zu werden: Kann es sein, dass eine theologisch tiefsinnige, genial in unsere Zeit übertragene, mit wunderbarer Stimme vorgetragene Stimme, trotzdem nicht die Herzen öffnet? – und um noch ne fromme Schippe drauf zu legen: Wie viel Zeit verbringe ich eigentlich in der Predigtvorbereitung mit Exegese, Kommentarsichtung, Predigthilfen, Christlicher Literatur, Kreativer Planung – und wie viel Zeit fürs Gebet „Komm Heiliger Geist“. Ich zumindest möchte meine reale Zeitverteilung dieser beiden Aspekte nicht veröffentlichen 😉

    Zusammenfassend:
    Sich um gutes Handwerk für die Predigtarbeit zu bemühen ist absolut gut und wichtig. Doch gibt es nicht auch die Notwendigkeit, sich um gutes Handwerk zu bemühen, das einen in Kontakt mit dem Heiligen Geist bringt? Wurde uns da durch die Reformation vielleicht ein wichtiges Standbein der Verkündigung amputiert? – die Exerzitien, Aszese, geistlichen Übungen, Stundengebet oder wie auch immer man es nennen will. Die historischen Fakten sprechen doch für sich: gut, nun muss nicht jeder Pastor und jede Pastorin ein Luther, Franziskus, Spurgeon oder Hybels sein, und dennoch sehe ich, dass die Persönlichkeiten unseres Glaubens, von denen wichtige Impulse ausgingen, eine tiefe „Schwarzbrot-Spiritualität“ gelebt haben bzw. leben.

    Um ein letztes Bild zu bemühen: Bin ich für die Gemeinde ein Rohr, durch das die inspirierenden Predigtimpulse anderer Prediger-Größen und Buchautoren – etwas aufbereitet – durchschießen, oder bin ich eine Schale, die sich selbst von Gott füllen lässt und erst von dem Überlfluss abgeben kann?
    – wahrscheinlich ist das „Schalen-Prinzip“ nicht so effektiv und dauert länger, vielleicht nicht für die Praxis geeignet, aber vielleicht nachhaltiger – für mich und meine Gemeinde?

    S.D.G.

    • maltedetje says :

      Vielen Dank für diese guten Gedanken! Den Hinweis, dass das „Kopierte“ auch zu einem passen muss, finde ich auch wirklich wichtig. Ist bei mir auch schon einmal richtig schief gegangen. Ich dachte, ich mach es wie Tim Keller – aber ich bin halt noch nicht 60 Jahre als und weise… Cool finde ich auch das Bild mit der Schale. Ich denke auch, dass der Draht nach oben für die Vorbereitung extrem wichtig ist und sich auch im Zeitkonto niederschlagen sollte.

      • Björn says :

        Das Bild mit der Schale ist auch kopiert – stammt von Bernhard von Clairvaux …;-)

  2. Line says :

    hey, ich bin natürlich kein Pastor 😉 doch da ich (fast) jeden Sonntag Kindergottesdienst habe, höre ich auch regelmäßig Predigt-Podcast, u.a. hab ich den von unserer Gemeinde (höre ich aber eher selten) und den von der Paulus-Gemeinde in Bremen (http://pg-bremen.de/index.php?id=predigten), da ich in diese Gemeinde gegangen bin während einer 5monatigen Praktikumszeit in Bremen. Besonders die Predigten von Klaus-Günter Pache (hat auch schon viele Bücher geschrieben) kann ich empfehlen und bringen mich echt weiter, hab sie auch schon für die eigene Predigt-Vorbereitung mit genutzt =) ich kann es nur empfehlen

  3. Line says :

    was mir grad noch eingefallen ist, bei meiner letzten Predigtvorbereitung hat mir geholfen, dass ich mich vorher mit einer Person über den Bibeltext ausgetauscht hab, so ne Art Kurz-Bibelarbeit, und nach dem Predigtschreiben hat sie diese noch gelesen und möchte sich auch die Video-Aufnahme davon noch anschauen, um mir zu Füllwörtern und ähnlichem ihr Feedback zu geben!!!!

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